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Pressemitteilungen


11.10.2010 | Rauchen, weil’s ‚cool‘ ist

Man kann junge Menschen vom Griff zur Zigarette abhalten. Aber leichter wäre es in einer möglichst rauchfreien Gesellschaft.

Paradox, so Univ.-Prof. Dr. Josef Riedler von der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Kardinal Schwarzenberg’schen Krankenhaus in Schwarzach, Salzburg: „Jugendliche beginnen nicht zu rauchen, weil sie dabei Genuss spüren, sondern weil es ‚cool‘ ist.“ Jedenfalls, so der Experte anlässlich des Jahreskongresses der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP, 7. bis 9. Okt., 2010, Messehalle Graz): „Mit entsprechenden Programmen kann man Jugendliche rauchfrei halten bzw. rauchfrei bekommen.“ Doch der Aufwand ist hoch – und der Erfolg wäre sicher höher in einer Umwelt, in der es möglichst wenig Tabakkonsum – zumindest in der Öffentlichkeit – gibt.

Einstiegsalter: 10 bis 14 Jahre

„Das Einstiegsalter für das Rauchen liegt in Europa zwischen dem zehnten und dem 14. Lebensjahr. In einer Studie, die wir in Salzburg im Jahr 2005 nach drei Jahren abgeschlossen haben, zeigte sich, dass 3,5 Prozent der Elfjährigen in den voran gegangenen 30 Tagen eine Zigarette geraucht hatte. Bis zum 14. Lebensjahr stieg dieser Anteil auf 26 Prozent“, berichtete Riedler.

Die längerfristige Entwicklung ist Besorgnis erregend: Seit Mitte der 1980er-Jahre hat sich in Österreich der Anteil der täglich rauchenden 15-jährigen Burschen verdoppelt, bei den Mädchen sogar verdreifacht.“

Schnelle Abhängigkeit

Dabei läuft die Entwicklung von der ersten Zigarette bis zur Abhängigkeit bei jungen Menschen oft rasant ab. Die erste Zigarette schmeckt zumeist überhaupt nicht. Stattdessen stellen sich Übelkeit, Benommenheit etc. ein. Darauf folgt der Übergang vom Probieren zum Experimentieren mit unregelmäßigem Tabakkonsum.

Mit dem Übergang zu einem regelmäßigen Verhalten setzt dann oft auch schon die Sucht ein. Der Spezialist: „Viele Jugendliche werden bereits nach Monaten von der Zigarette abhängig und entwickeln ein echtes Suchtverhalten. Jugendliche unterschätzen das Suchtpotenzial des Tabaks weitgehend.“ Und die möglichen Langzeitfolgen sind eben sprichwörtlich „zu weit weg“, um eine Bremswirkung entfalten zu können. Herzinfarkt und Lungenkarzinom sind Erkrankungen, die erst in Jahrzehnten als akute Gefährdung zu Buche schlagen.

Frühe Intervention

Frühe Intervention, ein gutes Beispiel durch nichtrauchende Erwachsene und Gleichaltrige als „Peers“ können Jugendliche rauchfrei halten. Riedler und sein Team organisierten in den Jahren 2003 bis 2005 an Salzburger Hauptschulen und Gymnasium das Projekt „Ich brauch’s nicht – ich rauch‘ nicht!“. Es ging dabei um Schülerinnen und Schüler, die noch weitgehend rauchfrei waren. In Workshops wurde mit ihnen die Problematik des Rauchens aufgearbeitet, Videos wurden gedreht, das Thema am „Köcheln“ gehalten.

Das Ergebnis, so Riedler: „Mit diesen Maßnahmen erreichten wir bis zum Ende des Projekts in der Projektgruppe im Vergleich zu einer gleichaltrigen Kontrollgruppe eine relative Reduktion des Einstiegs ins Rauchen um 23 Prozent.“

Jugendliche wollen Rauchverbot

Solche Projekte können aber nur ein Teil der gesamten Strategie in einer Gesellschaft zum Zurückdrängen des Tabakkonsums sein. Der Kinderfacharzt: „Die 13- bis 15-jährigen Jugendlichen waren der Meinung, dass ein Rauchverbot in den Schulen, in allen Lokalen und vor allem auch an allen öffentlichen Plätzen notwendig ist, um ihnen zu helfen, nicht mit dem Rauchen zu beginnen.“ Daran hapert es in Österreich.

Ein Nachfolgeprojekt bei 15- bis 18-jährigen Berufsschülern brachte ähnliche Erfolge: Obwohl um die 50 Prozent bereits täglich rauchten, konnte im Vergleich zu einer Kontrollgruppe nach drei Jahren in jenen Gruppen, welche teilgenommen hatten, eine relative Reduktion des Rauchverhaltens um 20 Prozent erreicht werden.

Es lässt sich also etwas tun, damit Österreichs Jugend nicht unbedingt trauriger Spitzenreiter beim Tabakkonsum in Europa bleibt. Doch auch die Gesellschaft ist gefordert…  (Schluss)


Ev. Rückfragen:

Univ.-Prof. Dr. Josef Riedler, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Kardinal Schwarzenbergschen Krankenhaus, Schwarzach/Salzburg
Tel.: 06415-7101-3050, mobil: 0664-409 03 84, eMail: josef.riedler@kh-schwarzach.at

Monika Bannert, Dr. Bannert Public Relations, +43-1-802 48 91, mobil: +43-664-21 00 618, eMail: m.bannert@dr.bannert-pr.at

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