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Pressemitteilungen
11.10.2010 | Pneumonie: Zwischen Über- und Untertherapie
Die Erregerkeime sind „bewegliche Ziele“, eine frühe und wirksame Behandlung ist oft entscheidend.
Frühe Erkennung und von Beginn an die möglichst richtige Therapie sind entscheidend, hieß es anlässlich des Jahreskongresses der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG, 7. bis 9. Okt., 2010, Messehalle Graz). Eine „Übertherapie“ mit zu breit wirksamen Medikamenten sollte genauso vermieden werden wie eine „Untertherapie“ mit potenziell gefährlichen Konsequenzen.
Erst vor kurzem wurden die deutschen Leitlinien zum Management „ambulant erworbener Pneumonien“ (CAP) den neuesten Erkenntnissen angepasst, sagte Priv. Doz. Dr. Stefan Krüger, Leiter der Sektion Pneumologie an der Universitätsklinik Aachen.
Am Beginn sollte die Bestimmung des Schweregrades der aufgetretenen Pneumonie stehen. Hier gibt es ein Schema mit vier Parametern: allfällige Bewusstseinstrübung, eine Atemfrequenz von mehr als 30 Atemzügen pro Minute, ein diastolischer Blutdruck (in der Ruhephase des Herzens, Anm.) von weniger als 60 mmHg oder von systolisch (Pumpphase des Herzens) von weniger als 90 mmHg und ein Alter von 65 oder darüber. Krüger: „Eine Aufnahme ins Spital sollte mit dem Zutreffen eines dieser Parameter überlegt werden.“
Schnelle Therapie
Von potenziell lebensrettender Bedeutung ist die schnelle Einleitung einer Antibiotikabehandlung. Der deutsche Experte: „Eine antimikrobielle Therapie sollte weiterhin so früh wie möglich eingeleitet werden. Ein verzögerter Therapiebeginn erst mehr als acht Stunden nach einer stationären Aufnahme geht mit einer erhöhten Letalität einher.“
Die mittlerweile auch außerhalb von Krankenhäusern vermehrt auftretenden resistenten Erregerkeime bzw. die sich ständig verändernde Resistenzsituation bringen jetzt eine notwendige Anpassung bei den empfohlenen Antibiotika-Regimen mit sich. Resistenzen treten gehäuft bei bestimmten Personengruppen auf:
- Patienten, die in den vorangegangenen drei Monaten eine Antibiotika-Behandlung mit (Betalaktamen, Makroliden oder Fluorchinolonen) gehabt haben.
- Personen, die in Pflegeheimen wohnen.
- Patienten mit chronischen Grunderkrankungen (z.B. Herzschwäche, Leberzirrhose, Nierenversagen) bzw. Personen nach einer schweren neurologischen Akuterkrankung (Schlaganfall).
Diese Patientengruppen weisen – wie die Untersuchungen zeigen – auch oft unterschiedliche Erreger auf. So zum Beispiel weisen Kranke aus Pflegeheimen häufiger Infektionen mit resistenten Darmbakterien oder mit Staphylococcus aureus auf. Auch kann das Aspirieren von Mageninhalt zu einer Pneumonie führen.
Penicilline weiter wirksam
Weiterhin die wichtigsten Antibiotika in der Behandlung der bakteriellen Pneumonie sind Penicilline. Krüger: „Die Therapie einer leichtgradigen, außerhalb des Spitals erworbenen Pneumonie sollte mit hochdosiertem Aminopenicillin samt Betalaktamase-Inhibitor durchgeführt werden.“ Der zweite Wirkstoff (Betalaktamase-Inhibitor) hemmt bei Keimen jenes Enzym, welches das Penicillin „knackt“ und für das Bakterium unschädlich macht.
Eine Alternative – so das nicht wirkt oder nicht vertragen wird – sind Breitbandantibiotika vom Typ der Fluorchinolone. Wegen gerade in den vergangenen Jahren stark zugenommener Resistenzen werden die ehemals in diesen Fällen oft verschriebenen Cephalosporine nicht mehr empfohlen. Und wenn in den vorangegangenen drei Monaten bereits einmal eine Antibiotikatherapie aus irgendeinem Grund erfolgte, sollte überhaupt die verwendete Substanzgruppe gewechselt werden. Für schwerere und spezielle Fälle wie Infektionen mit Pseudomonas-Keimen, Legionellen oder Mykoplasmen gelten spezielle Empfehlungen.
Pneumonie: ständig unter Beobachtung, neue Guidelines
Dass die Medizin auch längerfristig bei der ambulant erworbenen Pneumonie – im Dienste der Patienten – die buchstäbliche „Nase vorn“ hat, das soll ein Informationsnetzwerk (CAPNETZ) garantieren, das seit einigen Jahren in Deutschland (mit Wiener Beteiligung) mit fast 20 klinischen Zentren etabliert wurde. Pro Jahr werden die Daten von Tausenden CAP-Patienten erhoben und analysiert, um auch weiterhin den Pneumonie-Keimen Paroli bieten zu können. Die aktuellen Empfehlungen, die Dr. Krüger bei der ÖPG-Jahrestagung vorstellt, gehen auch auf diese Erfahrungen zurück.
Krüger’s Resumée: Aus den viele neuen Erkenntnissen der letzten Jahre, u.a. aus CAPNETZ, ist die frühe Wahl des richtigen Antibiotikums unter Berücksichtigung des zu erwartenden Erregerspektrums Therapie-entscheidend. Zu verhindern sind „Übertherapie“ bei leichter CAP mit Breitspektrum AB und „Untertherapie“ bei schwerer CAP. Konkret sollte die „alte Therapie“ mit Antibiotika unter Kenntnis der „neuen Guidelines“ mit Sinn und Verstand eingesetzt werden. (Schluss)
Ev. Rückfragen:
Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Krüger, Medizinische Klinik I, Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie
Universitätsklinikum RWTH Aachen, Tel.: 0049-24180-82303, eMail: stkrueger@ukaachen.de,
Hinweis: Während des Kongresses ist Doz. Krüger über M. Bannert zu erreichen.
Monika Bannert, Dr. Bannert Public Relations, +43-1-802 48 91, mobil: +43-664-21 00 618, eMail: m.bannert@dr.bannert-pr.at
ÖGP Jahrestagung 2012

14. - 16. Juni 2012
Salzburg
Vorprogramm ÖGP 2012
ERS Annual Congress
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1. - 5. Sept. 2012, Wien