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Pressemitteilungen
22.03.2011 | Welt-Tuberkulosetag 2011 (Freitag, 25. März): Verbesserte Diagnosemöglichkeiten lassen Infektionen mit dem Tuberkuloserreger frühzeitig erkennen
Weltweit keine weitere Steigerung der Neuinfektionen, in Österreich Zahl der Neuinfektionen fallend: 2009 erkrankten österreichweit 700 Menschen an Tuberkulose (TB), im Jahr davor waren es noch 830. Knapp die Hälfte der Betroffenen nach wie vor Patienten mit Migrationshintergrund.
Antibiotika-resistente TB auf niedrigem Niveau auch in Österreich etabliert. Wichtiger Schritt in Kampf gegen Ausbreitung: Verbesserte Diagnostik ermöglicht, TB-Infizierte frühzeitig zu erkennen und TB-Erkrankungen inkl. Identifikation multiresistenter Erreger rasch zu diagnostizieren.
„Österreich ist ein TB-Niedrigprävalenzland“
In Österreich bleibt die Zahl der Neuerkrankungen mit leicht fallender Tendenz auf niedrigem Niveau, erklärt heute in Graz der neue Leiter des Arbeitskreises ‚Infektiologie und Tuberkulose’ der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) Dr. Holger Flick, Oberarzt an der Klinischen Abteilung für Lungenkrankheiten, UKIM-LKH Universitätsklinikum/Medizinische Universität Graz, aus Anlass des Welt-Tuberkulosetages.
Im Vergleich zu 2008 erkrankten in Österreich 2009 um 130 Menschen weniger an TB als im Jahr davor (2008: 830 Neuerkrankungen, 2009: 700, Quelle: Nationale Referenzzentrale für Tuberkulose). „Österreich“, so Flick: „ist eindeutig ein TB-Niedrigprävalenzland.“
Unverändert handelt es sich bei knapp der Hälfte der Betroffenen um Patienten mit Migrationshintergrund. Flick: „Es gilt nach wie vor, dass die Zahl der TB-Erkrankungen in jenen Ländern steigt, in denen Armut, Krieg und politische Instabilität herrschen. Dort sterben an dieser prinzipiell heilbaren Infektion mehr Menschen als in anderen Ländern. Weltgesundheitspolitisch ist die TB ein Indikator für Armut, Elend und Unterernährung.
Im Focus der Medizin: Antibiotika-resistente TB-Fälle
Bedeutsam auch für Österreich ist die Zahl der Antibiotika-resistenten TB-Fälle. Die Therapie multiresistenter (MDR-TB) und extrem resistenter (XDR-TB) Erreger ist deutlich komplizierter, langwieriger und außerdem mit mehr Nebenwirkungen behaftet“, betont Flick. Sie verursacht hohe Therapiekosten und trotz aller Bemühungen „kann in Einzelfällen eine Heilung nicht immer erreicht werden.“
Österreich: 21 Antibiotika-resistente Fälle im Jahr 2009
In Österreich wurden im Jahr 2008 13 MDR- und 4 XDR-TB, im Folgejahr (2009) 19 MDR- und 2 XDR-TB behandelt (Quelle: Nationale Referenzzentrale für Tuberkulose). Diese komplizierten Infektionen wurden fast ausschließlich in Zusammenhang mit globalen Migrationbewegungen nach Österreich importiert. Die meisten dieser Patienten stammen aus ehemaligen Sowjetrepubliken, wo lt. WHO in einigen Regionen der Anteil von MDR-TB bei neu diagnostizierter TB im Jahr 2010 bei bis zu 22% lag. „Daraus zeigt sich“, betont Flick, „dass die internationale TB-Situation direkte Auswirkungen auf die nationale Situation in Österreich hat.“
Erhöhte gesundheitspolitische Aufmerksamkeit gefordert, um Ausbreitung zu verhindern
Das Problem der Antibiotika-resistenten TB hat sich, unterstreicht Flick, inzwischen auch in Österreich fest etabliert, eine Abnahme der Häufigkeit dieser Fälle sei derzeit nicht zu erkennen. Somit bedürfe die TB in Österreich trotz relativ niedriger Fallzahlen weiterhin größter gesundheitspolitischer Aufmerksamkeit. Flick: „Die TB-Häufigkeit muss weiter reduziert und die Ausbreitung von Antibiotika-resistenter TB in Österreich in jedem Fall verhindert werden.“
Österreich ist dafür gut aufgestellt: Die Behandlung der TB erfolgt in Österreich in spezialisierten und sehr erfahrenen Zentren. Seit 2009 erfolgt die Erfassung aller TB-Fälle über ein elektronisches Meldesystem und es gibt eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten, TBC-Fürsorgestellen, der TB-Referenzzentrale und dem Gesundheitsministerium. Dieses gut funktionierende Netzwerk muss auch in Zeiten der politischen Kostendiskussion erhalten, gepflegt und verbessert werden.
Neue Diagnosemöglichkeiten:
Frühzeitiges Erkennen von TB-Infektionen und -Erkrankungen
In diesem Zusammenhang weist Flick drauf hin, dass es vor allem in der Diagnostik viele wissenschaftliche Fortschritte gibt, die jetzt zunehmend Einzug in die Praxis halten. Konkret nennt er u.a. die Interferon-gamma Release Assays (kurz IGRAs), die vor allem bei Umgebungsuntersuchungen nach Kontakt mit ansteckender Lungen-TB helfen, infizierte, aber noch nicht erkrankte Kontaktpersonen frühzeitig zu erkennen und einer prophylaktischen Therapie zuzuführen. Als sehr effektiv bezeichnete Flick auch neue molekularbiologische Techniken. So können moderne PCR-Geräte bereits wenige Stunden nach Abgabe einer Sputumprobe die TB erkennen und zusätzlich sogar sofort multiresistente Erreger identifizieren. „Diese Neuerungen“, resümiert Flick, helfen, durch schnelle und sichere Identifizierung von TB-Erkrankten Therapieverzögerungen zu vermeiden und der Ausbreitung der TB effektiv entgegen zu wirken.
Ev. Rückfragen:
Dr. Holger Flick; Leiter des ÖGP-Arbeitskreises ‚Infektiologie und Tuberkulose’ und Oberarzt an der Klinische Abteilung für Lungenkrankheiten, UKIM-LKH Universitätsklinikum /Medizinische Universität Graz, Tel: +43 316 385 -12183 oder -80621, E-Mail: holger.flick@klinikum-graz.at
Dr. Monika Bannert, Tel.: +43 664 21 00 618, eMail: m.bannert@pr-expert.at – Neue eMail Adresse!
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