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08.09.2011 | Pneumologen-Kongress 2011- Lungenkrank heißt oft auch mangelernährt

Es ist nicht nur „die fehlende Luft“. Vor allem Patienten mit schwerer COPD profitieren von einer auf ihre Bedürfnisse speziell abgestimmten Ernährung. Dies erklärte am Donnerstag beim Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG/8. bis 10. September) Msc. Maria Anna Benedikt, Spezialistin auf diesem Gebiet vom LKH/Universitätsklinik in Salzburg.

Wien, 8.Sept. 2011. Den Hintergrund dazu bietet jene Krankheit, welche rund 400.000 Österreicher betrifft: COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Elf Prozent der über 40-jährigen Österreicher leiden daran. In den meisten Fällen ist das Krankheitsbild auf das Rauchen zurückzuführen. Es kommt bei der COPD zunächst zu einer Zerstörung der Flimmerhärchen in der Lunge. Dadurch funktioniert der Reinigungsmechanismus nicht mehr. Dann folgt eine Entzündung, die langfristig zu einer Verengung der Bronchien führt. Schließlich werden die Lungenbläschen zerstört.
Die Folgen: Husten, Auswurf und schließlich zunehmende Atemnot – bedingt durch eine schnelle Abnahme der Lungenkapazität – als Symptome. In den vergangenen Jahren haben ÖPG-Experten mehrfach auf die Notwendigkeit flächendeckender Früherkennung der COPD in Österreich hingewiesen. Außerdem sollte es eine optimale Therapie für alle Betroffenen geben. Mängel wurden auch immer wieder wegen fehlender Kapazitäten in der Rehabilitation kritisiert.

Ernährung spielt wichtige Rolle
Beim aktuellen Kongress der Lungenspezialisten in Wien werden aber auch nicht direkt pneumologische Aspekte der COPD diskutiert. So kann die Ernährung eine wichtige Rolle spielen. Maria Anna Benedikt: „Diese Erkrankung steht in einem klaren Zusammenhang mit der Ernährung, weil eine gezielte Ernährungstherapie bei einem COPD-Patienten von äußerster Wichtigkeit ist. Sowohl Übergewicht als auch Untergewicht beeinflussen die Symptomatik und die Prognose negativ.“
Klar, wer als COPD-Kranker zuviel an Gewicht mit sich herum schleppt, bürdet sich zusätzlich zur eingeschränkten Lungenfunktion auch noch eine zusätzliche Last auf. Hier kann eine Reduktion der täglich aufgenommenen Energiemenge auf 1.500 Kilokalorien zum Abnehmen führen – was auch ziemlich schnell die Mechanik der Atmung verbessert.
Doch mit fortschreitender Erkrankung kann es auch zu Mangelernährung und für den Betroffenen gefährlichem Untergewicht kommen. Die Expertin: „Bei COPD-Patienten sollte ein Körpergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI/Körpergewicht in Kilogramm zum Quadrat durch die Körpergröße in Metern) von 21 bis 25 angestrebt werden.“ Das wäre eben Normalgewicht.

Alarmzeichen
Wobei auffällige Gewichtsveränderungen auch ein Alarmzeichen sein könnten. Maria Anna Benedikt: „Bei unfreiwilligem Gewichtsverlust von fünf Prozent in den letzten drei Monaten bzw. zehn Prozent in sechs Monaten ist eine therapeutische Maßnahme unbedingt erforderlich.“ Kritisch wird’s bei einem BMI von weniger als 21 und zusätzlichen Ernährungsprobleme wie Appetitlosigkeit und Geschmacksveränderung.

Häufige Komplikation
Der zunehmende Gewichtsverlust im Rahmen einer schweren COPD ist häufig. Gleichzeitig nimmt die Muskelmasse deutlich ab. Die Gefahr liegt damit auch in einer zunehmenden Immobilität, welche die Lebensqualität der Patienten nur noch weiter einschränkt. Die Expertin: „Erhöhtes Infektrisiko, eingeschränkte Belastbarkeit und sinkende Lebensqualität sind die Folge.“
Doch man kann gegensteuern, so Maria Anna Benedikt: „Eine ernährungstherapeutische Intervention mittels hochkalorischer Nahrungszufuhr (Zusatznahrung etc.) kann innerhalb von einigen Wochen eine Gewichtszunahme bzw. eine allgemeine Besserung der Symptome berücksichtigen.“

Zu schwach zum Kauen
Doch wie bei vielen fortschreitenden chronischen Erkrankungen sind eben einzelne Maßnahmen nicht genug. Auch eine Ernährungsintervention bei COPD-Patienten muss in die Gesamtbetreuung der Betroffenen eingebaut sein. Die Expertin: „Die Patienten leiden sehr häufig an Atemnot, wodurch das Kauen der Mahlzeiten zur Schwerstarbeit wird. Deshalb sollten dem Patienten täglich öfters kleine Mahlzeiten angeboten und eher weiche Kost bevorzugt werden.“
Fazit, so Maria Anna Benedikt: „Meist reicht eine ernährungstherapeutische Maßnahme dabei nicht aus. Eine zusätzliche Verbesserung kann in enger Zusammenarbeit mit der physikalischen Medizin in einem Trainingsangebot bezüglich der Atemmuskulatur erreicht werden.“ Chronische Lungenerkrankungen betreffen eben immer auch den gesamten Körper – und so sollte die Betreuung der Betroffenen auch aussehen.   (Schluss).

Ev. Rückfragen
Maria Anna Benedikt, MSc, Ernährungsmedizinische Beratung, Landeskrankenhaus – Landeskliniken Salzburg
Universitätsklinik der Privatmedizinischen Universität, Tel: 0043/662/4482/2130, M.Benedikt@salk.at

Monika Bannert, mobil: 0664/21 00 618, m.bannert@pr-expert.at

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