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08.09.2011 | Pneumologen-Kongress 2011 - Luftverschmutzung geht uns alle an!

Dänischer Experte Torben Sigsgaard: „Mehr Schadstoffe erhöhen Erkrankungs- und Todesrisiko, weniger Belastung senkt sie.“
Auch wenn sie oft nicht zu „sehen“ ist, die Luftverschmutzung trifft jeden Menschen. „Eine europäische Meta-Studie (CAFE-Studie) hat ganz klar gezeigt, dass mit jeder Erhöhung der Schadstoffbelastung um zehn Mikrogramm (Millionstel Gramm, Anm.) pro Kubikmeter im PM10-Wert die Belastung der Bevölkerung infolge der dadurch bedingten Krankheiten steigt. Es gibt auch viele Todesfälle. Der Anstieg ist nicht dramatisch, aber da die Luftverschmutzung die gesamte Bevölkerung trifft, wirkt sich das trotzdem in erheblichen Zahlen aus“, sagte Torben Sigsgaard von der Abteilung für Sozial- und Arbeitsmedizin der Universität Aarhus beim diesjährigen Jahreskongresses der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG/8. bis 10. September) in Wien.

Wien, 8. Sept. 2010. Unter dem PM10-Wert versteht man die Konzentration von Feinstaub pro Kubikmeter Luft, wobei diese auf den Durchmesser der Partikel und somit auf ihre Fähigkeit abgestellt wird, in die Bronchien transportiert zu werden. So geht man beim PM10-Wert davon aus, dass Partikel unter einem Mikrometer (Millionstel Meter) zu 100 Prozent in die Bronchien gelangen, hingegen keine Partikel, die größer als 15 Mikrometer sind. In der EU dürfte der Jahresmittelwert einen Pegel 40 Mikrogramm PM10-Belastung pro Kubikmeter nicht überschreiten (mit einer Grenze für Tage, an welchen der Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten werden darf).

Verbrennung für Heizung, Transport – Hauptursachen der Luftverschmutzung
Über die Ursachen der Luftverschmutzung gibt es keine Zweifel. Der Fachmann: „Der Mensch trägt hauptsächlich durch Verbrennung für Heizung und Transport dazu bei. Der Hauptanteil der Schadstoffbelastung wirkt über nationale Grenzen hinweg. In weniger dicht bevölkerten Regionen macht ihr Transport über große Entfernungen hinweg 70 Prozent der Gesamtbelastung aus. Die höchsten Konzentrationen werden aber in urbanen Regionen mit hoher Verkehrs- und Industriedichte gefunden.“

Luftverschmutzung „abschalten“ – weniger Emissionen, weniger Gesundheitsprobleme
Es lässt sich – auch akut – etwas dagegen tun. Sigsgaard: „Studien während der Olympischen Sommerspiele in Atlanta und in Peking, wo man die Luftverschmutzung durch entsprechende Maßnahmen, zum Beispiel die Stilllegung von Industriebetrieben, ‚abgeschaltet‘ hat, haben gezeigt, dass in diesen drei Wochen der Olympischen Spielen in den Spitälern zum Beispiel dramatisch weniger Patienten wegen schwerer Asthma-Probleme zu versorgen waren. Es funktioniert also auch der Umkehrschluss: Weniger Luftverschmutzung bedeutet weniger dadurch bedingte Gesundheitsprobleme.“

Studien weisen nach:
12 Prozent der Bronchitis-Fälle gehen aufs Konto von Luftschadstoffen
Einen wesentlichen Puzzlestein in der wissenschaftlichen Beweisführung spielt auch die Schweizer SAPALDIA-Studie, so der Experte. Sie hat eindeutig gezeigt, dass die Luftverschmutzung die altersbedingte Verminderung der Lungenfunktion beschleunigt und die Häufigkeit von Erkrankungen der Atemwege wie etwa Asthma und chronischer Bronchitis erhöht. Laut Hochrechnungen für Frankreich, Österreich und die Schweiz auf Basis dieser Daten zeigte sich, dass etwa zwölf Prozent aller Fälle von chronischer Bronchitis der Luftverschmutzung anzulasten sind.

Im Jahr 2002 wurde dann die zweite Teilstudie durchgeführt (SAPALDIA 2). 8.047 Probanden aus der ersten Studie ließen sich noch einmal befragen und untersuchen. Im Vergleich der Ergebnisse der beiden Teilstudien konnten die Schweizer Wissenschafter zeigen, dass die Hustensymptome dank dem Rückgang der Luftverschmutzung zwischen 1991 und 2002 abgenommen hat.

Dramatisch schädigende Effekte durch Feinstaubpartikel…
Neue Daten zeigen aber auch, dass Feinststaub (PM2,5-Wert), der bis in die Lungenbläschen kommt, einen dramatischen schädigenden Effekt in Sachen Herz- und Lungenerkrankungen besitzt. Sigsgaard: „Dies hat die American Cancer Study gezeigt. Als man die PM2,5-Konzentrationen für jeden Studienteilnehmer an seiner Türschwelle einbezog, zeigte sich, dass ein Anstieg der PM2,5-Werte um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft die Sterblichkeit durch Herz- und Lungenerkrankungen um jeweils 20 Prozent erhöhte.“

…insbesondere für Menschen mit Asthma und COPD
Doch was gesunde Menschen vielleicht gerade noch „vertragen“ – und langfristig in ein Krankheitsrisiko hinein laufen –, ist nichts gegen den dramatischen Effekt, den solche Belastungen für die vielen Menschen mit Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) hat. Sigsgaard: „Dieser Problematik sollte höchste Aufmerksamkeit auf Seiten aller Verantwortlichen zukommen.“ (Schluss)


Ev. Rückfragen:

Kontakt zum Referent über Monika Bannert, Tel. 0664/21 00 618, m.bannert@pr-expert.at

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