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Pressemitteilungen


14.11.2011 | Welt-COPD-Tag 2011: Erste Ergebnisse des internationalen COPD-Audits stellen Österreichs Lungenfachärzten gutes Zeugnis aus

Behandlungserfolge allerdings durch gravierende Mängel in der Rehabilitation beeinträchtigt

Anlässlich des Welt-COPD-Tages übermorgen, Mittwoch, 16.11.2011, werden heute Vormittag erste Ergebnisse des von der European Respiratory Society (ERS) europaweit durchgeführten COPD-Audits veröffentlicht. Demnach schneidet Österreich in der medizinischen Betreuung gut bis seht gut, in der Rehabilitation klar schlechter als andere europäische Länder ab. „Dadurch werden mögliche Therapieerfolge bei COPD-PatientInnen deutlich geschmälert“, bringt ÖGP-Präsidentin Dr. Sylvia Hartl, Oberärztin an der Ersten Lungenabteilung am Otto Wagner Spital (Wien), heute Vormittag die für Österreich zwiespältigen Ergebnisse auf den Punkt.

Österreichs Lungenfachärzte erfolgreich in der Betreuung schwerstkranker COPD-Patienten, aber…

Die in Österreich in die Studie eingeschlossenen COPD-Patienten hatten eine schwere bis sehr schwere Erkrankung (mittlerer FEV: 38%). Im Erhebungszeitraum von 3 Monaten wurden an 26 Lungen- und internen Abteilungen mehr als 800 Patienten mit akuter Verschlechterung der COPD stationär aufgenommen. Davon waren 30% aktive RaucherInnen (!); 24% waren Sauerstoff-pflichtig (Langzeitsauerstoff); 10% mussten während des stationären Aufenthalts einer nicht-invasive Beatmung (Sauerstoffmaske), zugeführt werden; 23% der Patienten hatten zusätzlich eine Herz-/Kreislauferkrankungen (Hypertonie, KHK, Herzinsuffizienz) und 20% wiesen einen Diabetes Mellitus auf. „Die PatientInnen waren im Durchschnitt insgesamt kränker als im europäischen Durchschnitt“ umreißt Univ.-Prof. Dr. Otto C. Burghuber, Vorstand der 1. Lungenabteilung des Otto Wagner Spitals in Wien, die Schwere der Erkrankung dieser Patienten. 

„Die Mortalität während des Krankenhausaufenthaltes (In Hospital mortality) und die 90 Tage Mortalität war mit 4% (EU: 4,9%) bzw. 6 % (6,2%) geringer als im EU Durchschnitt, obwohl der Schweregrad der COPD höher (FEV1 38% vs 41%) bzw. die Comorbiditäten häufiger (Herz-/ Kreislauferkrankungen 23% vs 16%; Diabetes Mellitus 23% vs 20%) als im europäischen Durchschnitt waren. Die Aufenthaltsdauer im Spital war mit durchschnittlich 8,3 Tagen in Österreich trotzdem nicht höher als im europäischen Durchschnitt.“ Daher, so Burghuber, seien die medizinischen Behandlungserfolge der österreichischen Kolleginnen und Kollegen umso anerkennenswerter:

…hohe stationäre Wiederaufnahmerate, sehr geringes Wissen um die eigene Erkrankung und fehlendes Entlassungsmanagement 

Der Prozentsatz jener Patienten, die in der Folge wieder stationär aufgenommen werden mussten, war allerdings mit 37,7% (EU: 35%) im Vergleich zu anderen Ländern hoch, weist Hartl auf einen „wunden Punkt“ in der heimischen COPD-Versorgung hin. „Sogenannte ‚Drehtür-Patienten’ sollten in einem modernen Gesundheitswesen nicht vorkommen“ (Hartl).
Auch das Wissen um die eigene Erkrankung sei im Vergleich zum europäischen Durchschnitt stark unterentwickelt: 60% der Patienten (EU: 40%), die ins Spital aufgenommen wurden, hatten noch nie eine Spirometrie und wussten dementsprechend auch nicht über ihren Krankheitsstatus Bescheid.

Als Ursachen dafür nennt Hartl das Fehlen flächendeckender Spirometrie-Untersuchungen, die nicht nur aus diagnostischen Gründen wichtig sind, sondern auch weil sie den Patienten  ihren Krankheitsstatus bewusst machen. Als weiteren Mangel des heimischen Gesundheitssystems hat das COPD-Audit klar das Fehlen jeglichen Entlassungsmanagements ergeben. Hartl: „Wenn wir die Patienten aus dem Spital entlassen, gibt es keinerlei Angebote etwa zur Raucherentwöhnung oder zur Rehabilitation. Nicht einmal ein Angebot zum Lungensport – eine sehr kostengünstige und nachweisbar sehr wirksame Rehabilitationsmaßnahme – kann den Betroffenen angeboten werden.“

Fazit: Während im EU-Durchschnitt 80% der COPD-PatientInnen nach ihrer Spitalsentlassung in der Rehabilitation weiter betreut werden, sind es in Österreich nur 30%. Ein wesentlicher Grund dafür ist auch“, so die ÖGP-Präsidentin, „dass die Krankenkassen, im Unterschied zu anderen europäischen Ländern, die Kosten für diese wichtigen Maßnahmen nur für Berufstätige übernehmen. Das bedeutet, dass Schwerst-Kranke, die nach dem Krankenhausaufenthalt die Rehabilitation besonders dringen brauchen würden, davon ausgeschlossen sind. In anderen Ländern ist das eben nicht so.“

ÖGP: „Weg mit den ’Drehtür-Patienten’

Österreich ist, so Hartl und Burghuber unisono, „in der Betreuungsstruktur bei COPD-Patienten klar schlechter gestellt als andere europäische Länder, obwohl etwa Rehabilitationsmaßnahmen wesentlich kostengünstiger und für den Krankheitsverlauf deutlich erfolgreicher sind als häufige Spitalsaufnahmen. Das Motto muss lauten: Weg mit den strukturell bedingten ‚Drehtür-Patienten’.“
Unabdingbare Maßnahmen um dieses Ziel zu erreichen:

  • Flächendeckende Einführung der Spirometrie bei Allgemeinmedizinern und Bezahlung durch die Krankenkassen. Jeder Patient muss seinen COPD-Status kennen

  • Einführung eines adäquaten Entlassungsmanagements mit
  • kostenlosem Zugang zu Raucherentwöhnung (30% der schwer(st)kranken COPD-Patienten rauchen!!) und
  • geigneten Rehabilitationsmaßnahmen (u.a. Lungensport).

Das ERS COPD AUDIT: Eine wissenschaftliche, europäische Initiative

Das ERS COPD AUDIT ist die bislang größte wissenschaftliche, europäische COPD-Initiative, initiiert und unterstützt von der European Respiratory Society (ERS) und organisiert von einem internationalen Expertenteam (Michael Roberts; England, Sylvia Hartl; Österreich und Jose Luis Lopez-Campos; Spanien). Anonymisiert erhoben wurden die Daten von insgesamt 15.779 Patienten aus  20 Zentren in 13 Ländern. Eingeschlossen waren COPD Patienten, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums von 60 Tagen wegen COPD (Exazerbation) hospitalisiert wurden. Im Detail ging es dabei um die medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapie der COPD-Exazerbation sowie um die personelle und technische Ausstattung der Zentren und deren Einsatz. Nach 90 Tagen (ab Krankenhauseinlieferung) erfolgte ein telefonisches Follow up, bei dem der Patient persönlich kontaktiert und re-evaluiert wurde (Gesundheitsstatus, Re-Hospitalisation, Tod).
Erhoben wurden die Daten durch lokale Studienkoordinatoren (wissenschaftliche MitarbeiterInnen und/oder AssistenzärztInnen der teilnehmenden Abteilungen), welche von den jeweiligen Studienadministratoren (Ärztliche LeiterIn der teilnehmenden Abteilungen) im Vorfeld ernannt und eine technische Einschulung in das Web Tool (durch das österreichische Steeringkomitee) hatten. (Schluss)

Ev. Rückfragen:

OÄ Dr. Sylvia Hartl, ÖGP-Präsidentin und OÄ an der 1. Lungenabteilung des Otto Wagner Spitals, Wien, Tel.: 01/ 91060-41008, mobil: 0676/65505405, eMail: sylvia.hartl@wienkav.at

Univ.-Prof. Dr. Otto C. Burghuber, Vorstand der 1. Lungenabteilung am Otto Wagner Spital, Wien, Tel.: 01/91060-41635, mobil: 0664/4034770, eMail: otto.burghuber@wienkav.at

Monika Bannert, mobil: 0664/2100618, eMail: m.bannert@pr-expert.at

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