Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms – S3-Leitlinie der DGP in Zusammenarbeit mit der ÖGP

Leitlinien sind systematisch entwickelte Darstellungen und Empfehlungen mit dem Zweck, Ärzte bei der Entscheidung über angemessene Maßnahmen der Kranken-versorgung (Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge) unter spezifischen medizinischen Umständen zu unterstützen [4]. Sie beruhen auf aktuellen wissen-schaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin, sollen aber auch ökonomische Aspekte berücksichtigen. Die vorliegende Entwicklungsstufe 3 (S3) der Leitlinien nach der Klassifikation der AWMF ist durch die Kombination von formaler Evidenz-Recherche, formaler Konsensfindung, Logik (Algorithmen) sowie Entscheidungs- und Outcome-Analyse gekennzeichnet [5]. Die alleinige Evidenz-Basierung einer Leitlinie kann problematisch sein, da die Ergebnisse der zugrunde gelegten randomisierten kontrollierten Studien an selektionierten Patientengruppen gewonnen wurden und daher nur mit Einschränkungen im Hinblick auf die Gesamtgruppe der Patienten verallgemeinert werden können. Insbesondere die häufigen Begleitkrankheiten des Lungenkarzinoms zwingen zu einer besonderen Beachtung der individuellen Behand¬lungssituation. Daher wurde bei der Erstellung der vorliegenden Leitlinie besonderer Wert auf eine breite interdisziplinäre Konsensfindung unter Beteiligung von 15 deutschen und österreichischen wissenschaftlichen medizi¬nischen Fachgesellschaften und 3 Berufsverbänden sowie weiterer Expertengruppen gelegt, um auch die Besonderheiten unterschiedlicher Therapiesituationen angemessen zu berücksichtigen. Dennoch entbin¬det die vorliegende Leitlinie ebenso wie andere Leitlinien die behandelnden Ärzte nicht von der Verantwortung, die individuellen Behandlungssituationen der Patienten zu berücksichtigen und gegebenenfalls in enger Abstimmung mit dem Wunsch des Patienten von den Empfehlungen der Leitlinie abzuweichen.

S3-Leitlinie (pdf)

Österreichische Gesellschaft für Pneumologie kritisiert Umgang mit Don’t smoke-Volksbegehren

Statement der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) zur Behandlung des Don’t smoke-Volksbegehrens im Nationalrat

„Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) empfindet es

  • als sehr befremdlich, dass die Regierungsspitze der Nationalratsdebatte über das Don’t Smoke-Volksbegehren fern geblieben ist, und
  • als zutiefst bedauerlich, dass das Volksbegehren politisch abgeschmettert wurde.

Wir als Experten und Expertinnen für durch das Rauchen verursachte Lungenkrankheiten haben das überparteiliche Volksbegehren unterstützt, da Rauchverbote in der Gastronomie der Gesundheit der Menschen dienen und nachweislich Menschenleben retten!
Allein die Tatsache, dass die Abtrennung von Raucher- und Nichtraucherbereichen in der Gastronomie keinen ausreichenden Schutz bietet – bei Messungen wurden jüngst in 21 von 26 untersuchten Nichtraucherbereichen Schadstoffkonzentrationen festgestellt, die 5 bis 10 mal höher als im Freien sind – zeigt, wie fahrlässig und verantwortungslos hier mit der Gesundheit der Bevölkerung umgegangen wird.
Wir Lungenfachärzte und Lungenfachärztinnen sind ausschließlich der Gesundheit der Menschen verpflichtet. Täglich sehen wir, welch großes Leid Aktiv- sowie Passivrauchen verursacht. Wir appellieren daher an die Regierung, das deutliche Signal der hunderttausenden Menschen, die das Volksbegehren unterzeichnet haben, nicht zu ignorieren und ein allgemeines Rauchverbot in der Gastronomie einzuführen. Auch die Regierung ist der Gesundheit der Menschen in Österreich verpflichtet und sollte dies ernst und wahr nehmen!“

Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Schenk
Präsident der ÖGP
Abteilungsvorstand Pulmologie am Landesklinikum Hochegg

Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht
Generalsekretär der ÖGP
Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde, Kepler Universitätsklinikum, Linz

Rückfragen Presse

Urban & Schenk medical media consulting
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Lehr- und Lernbuch „Pneumologische Rehabilitation“

Nach zwei Jahren Arbeit ist im Sinne einer DACH Kooperation mit der Deutschen und Schweizer Gesellschaft für Pneumologie ein Lehr- und Lernbuch zum Thema Pneumologische Rehabilitation entstanden. Es ist ein umfassendes Werk mit über 750 Seiten, in dem für alle an Rehabilitation Interessierte etwas enthalten sein sollte.

Neben der Diagnostik und medizinischen Trainingstherapie bei Asthma, COPD, interstitiellen Lungenerkrankungen, pulmonaler Hypertonie etc. werden auch die Rehabilitation bei onkologischen Patienten und Möglichkeiten wie E-Health oder Kinderreha besprochen. Weiters wird die gesamte Palette der komplexen multiprofessionellen Therapie mit Atemphysiotherapie, Ernährung, Psychologie, QM und Ergotherapie dargestellt.

Es sollte ein praxisnahes Buch für das gesamte Reha-Team sein und ist über den Dustri Verlag online erhältlich.

Nachbericht Symposium „Celebrate Science“ 9.-10. Nov. 2018, Graz

Spannende Vorträge, hochkarätige internationale Experten, interessierte TeilnehmerInnen und eine wunderschöne Location zeichneten das International Respiratory Symposium „Celebrate Science“ aus, das Anfang November aus Anlass des 60. Geburtstags von Univ.-Prof. Dr. Horst Olschewski, Leiter der Klinischen Abteilung für Pulmonologie an der Medizinischen Universität Graz und des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengefäßforschung, in Graz stattfand.
80 Personen aus Deutschland und Österreich erfuhren u.a. Aktuelles zu COPD durch Marc Humbert (Université Paris-Sud) und zu Asthma bronchiale von Dr. Ildikó Horváth vom National Koranyi Institut in Budapest. Univ.-Prof. Dr. Jürgen Behr (Ludwig-Maximilians-Universität München) wiederum berichtete Aktuelles zur Lungenfibrose – wie die beiden erst genannten Vorträge stets in Bezug zu Lungenhochdruck, dem Spezialgebiet der Lungenabteilung an der Grazer Uniklinik.
Der Vortrag von Prof. David Kiely (University of Sheffield) stand unter dem Titel „Imaging in Pulmonary Hypertension: ready for prime time“. Abschließend gaben Dr. Grazyna Kwapiszewska-Marsh und Priv.-Doz. Dr. Gabor Kovacs von der Medizinischen Universität Graz einen Überblick über die Forschungstätigkeit des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengefäßforschung.

Am Vorabend traf man sich ebenfalls in der Alten Universität zu einem festlichen Dinner. Untermalt wurde das ausgezeichnete Menü vom Monarchie Quartett.

TeilnehmerInnen, SprecherInnen und Veranstalter – die österreichische Gesellschaft für Pneumologie, die Ludwig Boltzmann Gesellschaft sowie die Medizinische Universität Graz – zeigten sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung und sind stolz, dieses hochkarätige Symposium in Graz ausgerichtet zu haben, das sogar unter der Patronanz der European Respiratory Society stand.

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Neue Medienreferentin: Katharina Cima

Nach der Matura am Akademischen Gymnasium in meiner Geburtsstadt Linz kam ich 2002 zum Studium der Humanmedizin nach Innsbruck.

2008 begann ich meine wissenschaftliche Tätigkeit mit PhD-Studium in Molecular Cell Biology. Meine klinische Ausbildung erfolgte bis 2011 im Sonderfach Lungenkrankheiten im Landeskrankenhaus Hochzirl-Natters, Standort Natters. Seither bin ich als Fachärztin für Lungenkrankheiten auf der Lungentransplantationsstation im Krankenhaus Natters tätig.

Der österreichischen Gesellschaft für Pneumologie bin ich seit 2004 verbunden. Zunächst durch Teilnahmen und wissenschaftliche Präsentationen an den Jahrestagungen, in Folge durch meine Tätigkeit als Vertreterin der Ärzte/Ärztinnen in Ausbildung und seit 2017 als Kongresssekretärin.

Auf der Jahrestagung 2018 habe ich die Nachfolge von Dr. Otmar Schindler als Medienreferentin angetreten. Nachdem er in den letzten vier Jahren erfolgreich neue Strukturen etablieren konnte, ist es mein Ziel für die kommenden zwei Jahre, diesen Weg fortzusetzen und den Außenauftritt der ÖGP zeitgemäß zu gestalten.

Ich freue mich auf diese spannende Aufgabe und hoffe auf tatkräftige Unterstützung von Seiten der ÖGP Mitglieder: Artikel für unsere Mitgliederzeitschrift Airmail sind ebenso willkommen wie die Betreuung unseres Standes auf Karrieremessen oder der Hinweis auf interessante Veranstaltungen und Projekte für unseren Newsletter.

Auf gute Zusammenarbeit!

Dr. Katharina Cima

Europäische HIV- und Hepatitis-Testwoche 2018

European Testing Week, click here for more info - www.testingweek.eu

Auch heuer wieder koordiniert das Team der Aids Hilfe Wien die „Europäische HIV- und Hepatitis-Testwoche 2018“ (ETW 2018). Unter dem Motto TESTEN.BEHANDELN.VORBEUGEN werden in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland von 23. bis 30. November 2018 Initiativen gesetzt, um das Bewusstsein für die Wichtigkeit des HIV- und Hepatitis-Tests zu steigern.

HIV und Hepatitis sind noch immer ein Tabu und die Ansteckungsrisiken sind nicht ausreichend bekannt. Viele Menschen haben Angst vorm Test, daher werden Infektionen oft viel zu spät erkannt. Dem möchte die österreichische ETW-Initiative im Rahmen der Europäischen Testwoche mit dem Motto TESTEN. BEHANDELN. VORBEUGEN. entgegenwirken. Ziel der Testwoche ist einerseits, Personen mit einem erhöhten HIV-/Hepatitis-Risiko zum Test zu motivieren und andererseits die Bewusstseinsbildung bezüglich HIV- und Hepatitis-Tests zu steigern. Einen Test anzubieten und sich testen zu lassen, soll selbstverständlich sein. Denn eine frühe Diagnose ermöglicht einen rechtzeitigen Therapiestart und dieser bringt mitunter mehr Lebensjahre mit besserer Lebensqualität. Eine erfolgreiche medikamentöse Behandlung wiederum bewirkt, dass die Virenlast nicht mehr nachweisbar ist. So können HIV-positive Menschen, deren Virenlast durch die Medikamente unter der Nachweisgrenze ist, das HI-Virus nicht auf ihre SexualpartnerInnen übertragen. Auch bei Hepatitis B gibt es inzwischen erfolgreiche Therapien, bei Hepatitis C ist sogar eine Heilung möglich. Heuer findet die Europäische HIV- und Hepatitis-Testwoche vom 23. bis 30. November statt. In dieser Woche werden in Österreich und europaweit zahlreiche Events, vermehrt Infos rund um die Themen HIV und Hepatitis, sowie Test-Möglichkeiten an vielen Locations angeboten, um Infektionsängste abzubauen und der Ausgrenzung Betroffener entgegenzuwirken.

Informationen zur Testwoche und allen Angeboten finden Sie unter www.testwoche.net .
Handlungsleitfaden: Akute HIV-Infektion

Experten* warnen: Unwissenheit in der Bevölkerung über Volkskrankheit COPD noch immer erschreckend groß

Welt-COPD-Tag 2018

Erste Symptome werden oft nicht ernst genug genommen

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD, ist nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache weltweit. Tendenz steigend. Doch das Wissen über diese Erkrankung sei in der Bevölkerung noch immer erschreckend gering, warnen Österreichs Lungenfachärzte. Deutliche Symptome werden häufig ignoriert, oft wird erst sehr spät ein Arzt aufgesucht. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren, denn je früher die Erkrankung behandelt wird, desto größer sind heute die Möglichkeiten, COPD zu „stoppen“. Dies ist von zentraler Bedeutung, denn CPOD ist nicht heilbar und führt unbehandelt zu einem qualvollen Tod durch Ersticken.

Anlässlich des Welt-COPD-Tages am 21. November weist der Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, ÖGP, Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht, eindringlich darauf hin, wie wichtig es ist, bereits erste Hinweise auf COPD wie langandauernden Husten ernst zu nehmen und den Arzt aufzusuchen. Aber auch das Vorliegen einer Reihe unterschiedlicher Risikofaktoren machen die Abklärung, ob eine COPD vorliegt, erforderlich.

Waren bis vor wenigen Jahren die therapeutischen Möglichkeiten noch sehr begrenzt, so macht es die moderne Präzisionstherapie heute möglich, gezielt etwas gegen COPD zu tun. Das Entscheidende, so der Lungenfacharzt: Je früher COPD erkannt und behandelt wird, desto besser die Prognose und Lebensqualität der Betroffenen.


Erste Symptome werden oft nicht wahrgenommen oder durch banale Infekte „verschleiert“

Auswurf, Husten, Atemnot – die sogenannten AHA-Symptome können erste Anzeichen einer COPD sein. Aber diese Anfangssymptome werden oft bagatellisiert oder auf andere „Umstände“ oder Erkrankungen zurückgeführt. So ist die Atmung anfangs nur leicht eingeschränkt, Atemnot tritt erst bei körperlicher Belastung auf. Ein Symptom, das abgetan wird mit „Man hat halt zur Zeit keine gute Kondition“. Auch das Leitsymptom „Husten“ werde leider oft bagatellisiert, so Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht, Vo

rstand der Klinik für Lungenheilkunde, Kepler Universitätsklinikum, Linz: „COPD ist unter anderem deshalb so heimtückisch, da die ersten Symptome von den Patienten oft nicht richtig wahrgenommen, erkannt und somit auch dem Arzt nicht mitgeteilt werden.“

Gerade in der Erkältungszeit wird länger anhaltender Husten oft nicht ernst genug genommen oder auf eine vorliegende Grippe oder einen grippalen Infekt zurückgeführt und COPD dadurch nicht rechtzeitig erkannt. Patienten sollten daher ihrem Arzt immer über einen länger bestehenden Husten berichten. Vor allem wenn der Husten über einen Zeitraum von über acht Wochen besteht, sollten die Alarmglocken schrillen. Ein einfacher Lungenfunktionstest, eine Spirometrie, kann erste wertvolle Aufschlüsse über das mögliche Vorliegen einer COPD geben. COPD sollte unbedingt bereits dann diagnostiziert und behandelt werden, wenn die Symptome klinisch noch keine massive Ausprägung haben. Also wenn der Patient zwar bereits COPD hat, aber die Symptome durch Vermeidungsstrategien – auch vor sich selbst – noch ‚verstecken‘ kann. Denn: Je früher COPD erkannt und je individualisierter therapiert wird, umso günstiger ist der Verlauf. COPD kann zwar nicht geheilt, aber der Verlauf verlangsamt bzw. gestoppt werden.

Risikofaktoren – Rauchen ist Hauptrisikofaktor

„Rauchen ist mit Abstand der größte Risikofaktor für das Entstehen einer COPD. Die Mehrzahl aller COPD-Patienten sind aktive oder ehemalige Raucher“, so der Lungenspezialist Lamprecht. „Im Tabakrauch finden sich zahlreiche Substanzen, die Entzündungsreaktionen verursachen, die das Lungengewebe schädigen. Dadurch wird einerseits die Produktion von Bronchialschleim verstärkt und andererseits der Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege beeinträchtigt: Fremdstoffe können nicht mehr ausreichend abtransportiert werden, das Lungengewebe wird zusätzlich geschädigt. Aber: Nicht nur Aktiv- sondern auch Passivrauchen kann zu COPD führen!“

Abklärung auch bei anderen Risikofaktoren sinnvoll

Weitere Risikofaktoren sind: vermehrte Atemwegserkrankungen in der Kindheit, Feinstaubbelastung z.B. durch Verkehr und Industrie sowie andere Schadstoffe aus Luft- und Umweltverschmutzung oder Belastungen am Arbeitsplatz (z.B. Chemikalien in der Kunststoffindustrie oder in Autolackierereien, Staubbelastung auf Baustellen, in Viehställen, im Bergbau sowie bei Schweiß- und Feuerlöscharbeiten etc.). Menschen, die an einer schweren, seltenen Erberkrankung leiden, dem sogenannten Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, sind ebenso hochgradig COPD-gefährdet. „Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte, auch wenn er nicht an chronischem Husten leidet, spätestens ab dem 50. Lebensjahr beim Lungenfacharzt abklären lassen, ob eine COPD vorliegt.“

COPD zieht den gesamten Körper in Mitleidenschaft

Lamprecht: „COPD kann auch mit anderen Erkrankungen der Lunge ‚vergesellschaftet‘ sein. So treten bei COPD-Patienten häufiger als bei lungengesunden Gleichaltrigen Lungenkrebs, Lungenfibrose, Lungenhochdruck und Atemstörungen während des Schlafes auf.“

In weiterer Folge zieht die Erkrankung den gesamten Körper in Mitleidenschaft: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Osteoporose, aber auch Blutarmut, Muskelabbau und Gewichtsverlust zählen zu den Folgen einer COPD. „Auch psychische Erkrankungen, vor allem Angstzustände und Depressionen, die mit der Schwere der Erkrankung zunehmen, sind ein häufiger Begleiter der COPD und beeinträchtigen die Lebensqualität zusätzlich schwer“, so Lamprecht. Vor allem im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung, in dem Patienten mit schwerer Atemnot zu kämpfen haben und permanent Sauerstoff mittels „Nasenbrille“ zugeführt bekommen müssen. Auch wenn die modernen mobilen Sauerstoffgeräte ein enormer Fortschritt gegenüber früher sind, leiden die Patienten unter der Einschränkung ihres Bewegungs- und Aktionsradius. Dies führt sie oftmals in soziale Isolation. „Nasenbrille und Sauerstofftherapie zeigen sofort, dass es sich um einen schwerkranken Menschen handelt. Und alleine das empfinden viele Betroffene als sehr belastend und stigmatisierend“, so Lamprecht.

Präzisionstherapie bei COPD

Nun zur guten Nachricht: Dank einer besseren Kenntnis der verschiedenen Ausprägungsformen der COPD, neuer Erkenntnisse und eines tieferen Verständnisses der komplexen Zusammenhänge dieser Erkrankung, moderner diagnostischer Möglichkeiten sowie neuer Medikamente und Begleittherapien können COPD-Patienten heute viel besser und mit deutlich weniger Nebenwirkungen behandelt werden als früher. Lamprecht: „Menschen, die an COPD leiden, haben zwar dieselben Symptome, aber unterschiedliche Ausprägungsformen der Erkrankung. Und genau diese gilt es nun zu erkennen. Die ‚richtige Therapie‘ muss bei der ‚richtigen Ausprägung‘ zum Einsatz kommen. Und das gelingt uns heute immer besser.“

Die verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten, wie inhalative Medikamente, Sauerstofftherapie, nicht-invasive Atemunterstützung, Ventile zur Reduktion der Lungenüberblähung usw. können heute also zunehmend gezielt dort eingesetzt werden, wo sie den meisten Erfolg bringen. Dadurch wird wertvolle Zeit gewonnen, Nebenwirkungen werden vermieden und Kosten gespart. Und ganz wesentlich: Die Lebensqualität der Patienten wird deutlich erhöht.

Über COPD

COPD ist nicht gleich COPD. Unter chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, so die deutsche Bezeichnung für COPD (chronic obstructive pulmonary disease), versteht man verschiedene Krankheitsausprägungen, die mit einer Verengung (Obstruktion) der Atemwege und/oder einer nicht rückbildungsfähigen Überblähung der Lunge (Lungenemphysem) einhergehen. Ausgangspunkt ist stets eine chronische Entzündung der Bronchien. Bei COPD reagiert die Lunge mit überschießenden Entzündungsreaktionen, die zu einer irreversiblen Schädigung der Lungenstruktur und im Endeffekt zur Zerstörung der Lunge führen.

Prinzipiell gibt es zwei Hauptformen: COPD mit chronischer Bronchitis, also einer entzündlichen Verengung der Bronchien, und COPD mit einem Lungenemphysem, also mit einer Überblähung der Lunge, bei der die Atemluft nicht mehr zur Gänze abgeatmet und weniger Frischluft eingeatmet werden kann. In beiden Fällen sind Husten und Atemnot die Leitsymptome. Oft treten beiden Formen gemeinsam auf.

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text auf eine durchgehend gendergerechte Schreibweise verzichtet. Alle Bezeichnungen gelten sowohl für Frauen als auch für Männer.

 

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T +43 (0)5 7680 83 – 0

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Auch immer mehr Senioren leiden an Allergien und Asthma

 

Nicht tatenlos hinnehmen!

Allergien und Asthma bronchiale gelten als klassische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen. Dabei wird oft übersehen, dass auch viele ältere Menschen darunter leiden oder auch überhaupt erst im höheren Alter zu Allergikern* werden – und das in zunehmendem Ausmaß. Untersuchungen belegen, dass heute bereits rund jeder vierte ältere Mensch unter einer Allergie leidet. „Allergien und Asthma mindern in höherem Alter nicht nur die Lebensqualität besonders stark, sie können auch lebensbedrohlich sein!“, betonte Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums FAZ, anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, ÖGP, 18. bis 20. Oktober in Linz.

„Am stärksten von Allergien sind gegenwärtig die 30 bis 39 Jährigen betroffen – rund 40% von Ihnen leiden daran. Die Allergieprävalenz, also die Anzahl der zum Untersuchungszeitpunkt erkrankten Personen, beträgt aber bei den über 60 Jährigen heute auch schon etwa 25% und bei den über 70 Jährigen gut 20%!“, so Wantke, der auch Leiter des Arbeitskreises Allergie und Asthma der ÖGP ist.

Zu den Allergien zählen viele verschiedene durch das Immunsystem hervorgerufene Überempfindlichkeitsreaktionen; Heuschnupfen (allergische Rhinoconjunktivitis) ist die häufigste Allergieform. So auch bei älteren Menschen. Oft leiden sie besonders darunter, da mit höherem Alter auch andere Erkrankungen vermehrt auftreten und der Heuschnupfen eine zusätzliche Belastung darstellt, die die Lebensqualität massiv einschränken kann. Andere Allergien wie die Insektengiftallergie können aber sogar eine tödliche Gefahr darstellen; auch die Sterblichkeit bei Asthma ist bei älteren ebenfalls deutlich höher als bei jüngeren Menschen.

Neue Behandlungsmöglichkeiten für ältere Menschen

Heuschnupfen ist aber heute gut behandelbar: Nicht müdemachende Antihistaminika und lokale Kortisonnasensprays sind die Behandlungsmöglichkeiten der ersten Wahl. „Neu im Hinblick auf die Behandlungsmöglichkeiten älterer Menschen ist aber: Früher wurde für Patienten jenseits des 50. Lebensjahres die allergen-spezifische Immuntherapie (Allergen Desensibilisierung) nicht empfohlen. Nach den neuen Richtlinien kann man diese Immuntherapie aber auch bei älteren Menschen durchführen“, so der Allergie-Experte Wantke.

Zur Erklärung: Bei der Immuntherapie – auch Hyposensibilisierung oder im Volksmund auch Impfkur genannt – wird mit der Verabreichung von steigenden Dosen des jeweiligen Allergens das Immunsystem wieder an den Allergie-auslösenden Stoff gewöhnt. Diese Hyposensibilisierung zeichnet sich durch eine hohe Wirksamkeit aus: 90-95% der Patienten sind nach erfolgreicher Impfkur vor allergischen Reaktionen geschützt.

Wantke: „Insbesondere bei Insektengiftallergien sind ältere Menschen die Risikogruppe Nummer eins. Hier ist es besonders wichtig, nicht bis zu einem Insektenstich zu warten, um dann lebensrettende Maßnahmen zu setzen, sondern sozusagen prophylaktisch das Immunsystem mittels einer Hyponsensibilisierung dazu zu bringen, auf den nächsten Insektenstich gar nicht erst allergisch zu reagieren!“

Asthma-Sterblichkeit bei Senioren viermal höher als bei jüngeren Asthmatikern

Auch Asthma bronchiale findet sich mit zunehmender Häufigkeit bei alten Menschen. Wantke: „Dies ist besonders schwerwiegend, da die Sterblichkeit an Asthma bei Senioren viermal höher ist als bei jüngeren Asthmatikern. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Asthma bronchiale bei älteren Menschen untypisch präsentiert, die Atemnot weit weniger empfunden wird als bei jungen Menschen und die Diagnose schwieriger zu stellen ist. All das führt dazu, dass Senioren mit Asthma bronchiale später den Arzt aufsuchen, die Diagnose verzögert gestellt wird und damit die Therapie verspätet eingeleitet wird. Die Behandlung von Asthma bronchiale unterscheidet sich nicht von der jüngerer Patienten und besteht aus Inhalation von bronchienerweiternden Medikamenten und inhalativen Kortisonpräparaten.“

Auch bei älteren Menschen an Allergien und Asthma denken!

Allergien und Asthma bronchiale sind also auch bei Senioren häufig. Neben der Verschlechterung der Lebensqualität ist bei ihnen insbesondere Asthma bronchiale mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. Wantke betonte in diesem Zusammenhang: „Daher sollte auch bei alten Menschen an eine Allergie gedacht werden und auch bei Senioren sollten Allergietests und Lungenfunktionstests durchgeführt werden.“

 

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text auf eine gendergerechte Schreibweise verzichtet. Sofern nicht anders vermerkt, gelten alle Bezeichnungen sowohl für Frauen als auch für Männer.

22. Oktober 2018

 

Kontakt

Univ-Doz. Dr. Felix Wantke
Leiter des Floridsdorfer Allergieambulatoriums
Arbeitskreisleiter für Asthma und Allergie der österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP)
Floridsdorfer Allergieambulatorium
Franz Jonas Platz 8/6
1210 Wien
01/ 270 25 42
wantke@faz.at

Weitere Pressetexte zu Themen des Kongresses finden Sie laufend aktualisiert unter: www.ogp.at/category/presse/medienaussendungen

 

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