ÖGP-Awarenesskampagne für seltene Lungenerkrankungen 2026

Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie fördert aktiv das Erkennen von seltenen und neuen (Lungen-)Erkrankungen in Österreich. In ihrer Awarenesskampagne „RARE BUT THERE“ stellt sie anlässlich des Rare Disease Days am 28. Februar 2026 das Birt-Hogg-Dubé-Syndrom (BHD) in den Fokus. 

Das Birt-Hogg-Dubé-Syndrom (BHD-Syndrom) ist eine seltene autosomal-dominant vererbte Multisystemerkrankung, die durch eine Trias aus benignen Hauthamartomen, pulmonalen Zysten mit Auftreten von Spontanpneumothoraces und einem erhöhten Risiko für Nierentumoren gekennzeichnet ist.

Epidemiologie

Die geschätzte Prävalenz des BHD-Syndroms beläuft sich auf etwa 1:200.000. Weltweit wird bislang von 500 betroffenen Familien berichtet, wobei die Erkrankung vermutlich unterdiagnostiziert ist.

Pathophysiologie

Das BHD-Syndrom wird durch pathogene Keimbahnvarianten im FLCN-Gen auf Chromosom 17p11.2 verursacht und autosomal-dominant vererbt. Zumeist kommt es zu einem Funktionsverlust des vermeintlichen Tumorsuppressors Folliculin. Die genaue Funktion des Folliculin-Proteins ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.

Klinische Manifestation

Das BHD-Syndrom weist – auch bei identischer FLCN-Mutation – ein stark variables klinisches Erscheinungsbild auf. Eine eindeutige Genotyp-Phänotyp-Korrelation konnte bislang nicht identifiziert werden. So kann sich die Erkrankung beispielsweise ausschließlich mit Hautveränderungen zeigen oder zusätzlich mit pulmonalen und/oder renalen Veränderungen einhergehen. In seltenen Fällen manifestiert sich die Erkrankung ausschließlich pulmonal und/oder renal.

Dermale Läsionen: Die charakteristischen Hautveränderungen des BHD-Syndroms sind Fibrofollikulome, bei denen es sich um gutartige Hamartome des Haarfollikels handelt. Sie treten in 90 % der betroffenen Patient*innen erstmals zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr als multiple, weißliche und bis zu 5 mm große Papeln im Kopf-/Hals-Bereich auf. Für gewöhnlich nehmen sie im Laufe des Lebens an Zahl und Größe zu. Zudem können sich begleitend auch Trichodiskome – klinisch nicht von Fibrofolikulomen zu unterscheiden und womöglich eine histologische Variante desselben Tumortyps darstellend – und Akrochordone (Stielwarzen) zeigen.

Pulmonale Manifestationen: Die hochauflösende Computertomographie des Thorax (HRCT) ist die bevorzugte Bildgebungsmethode zur Beurteilung zystischer Lungenerkrankungen und somit auch zur Evaluierung des möglichen Vorliegens eines BHD-Syndroms. Bei etwa 80 % der Patient*innen zeigen sich zahlreiche bilaterale und unregelmäßig geformte, dünnwandige Zysten (meist kleiner als 1 cm), die überwiegend in den basalen und medialen Lungenregionen liegen. Rund 30 % der Betroffenen erleiden – zumeist vor dem 40. Lebensjahr – mindestens einmal im Verlauf ihres Lebens einen spontanen Pneumothorax.

Nierentumore: Maligne Nierentumore treten in bis zu einem Drittel der Betroffenen meist um das 50. Lebensjahr auf. Während die meisten anderen erblichen Nierenkrebs-Syndrome nur einen einzigen histologischen Tumortyp aufweisen, ist das BHD-Syndrom durch eine Vielfalt an Tumorformen gekennzeichnet. Am häufigsten treten chromophobe Tumore sowie Mischformen aus chromophoben und onkozytären Tumoren auf.

Diagnose

Die Diagnose des BHD-Syndroms kann bei Vorliegen eines der folgenden Kriterien gestellt werden:

  • ≥ 2 Hautläsionen, die klinisch als Fibrofollikulom und/oder Trichodiskom imponieren, und ≥ 1 histologisch bestätigtes Fibrofollikulom
  • Multiple, meist basal lokalisierte bilaterale Lungenzysten, mit oder ohne vorausgegangenem Spontanpneumothorax vor dem 40. Lebensjahr (insbesondere bei positiver Familienanamnese)
  • Bilaterale, multifokale chromophobe Nierenkarzinome oder hybride onkozytäre Tumore (insbesondere bei positiver Familienanamnese von Nierentumoren vor dem 50. Lebensjahr)
  • Kombination aus kutanen, pulmonalen und/oder renalen Manifestationen (entweder beim/ bei der Betroffenen oder bei Familienangehörigen)
  • Nachweis einer pathogenen Keimbahnvariante im FLCN-Gen (diese bestätigt die Diagnose in der Mehrzahl der Verdachtsfälle; bei einem Teil der Patient*innen beruht die Diagnosesicherung jedoch primär auf den klinischen und pathologischen Befunden)

Nach Identifikation einer pathogenen FLCN-Genvariante in einem Indexfall sollte bei potenziell betroffenen Angehörigen, insbesondere bei Verwandten ersten Grades, eine genetische Beratung und Testung erfolgen.

Therapie

Derzeit existiert keine kausale Therapie für das BHD-Syndrom, sodass die Behandlung symptom- und organspezifisch erfolgt.

Kutane Läsionen sind benigen und meist nicht behandlungsbedürftig, können jedoch bei kosmetischer Beeinträchtigung häufig mittels ablativer Verfahren therapiert werden.

Die Therapie des Pneumothorax erfolgt gemäß den Empfehlungen der Behandlung des sekundären Spontanpneumothorax. Bei chirurgischen Eingriffen sollte außerdem präoperativ eine pulmonale Evaluierung erfolgen und intraoperativ auf hohe Beatmungsdrücke verzichtet werden.

Bei Patient*innen mit BHD-Syndrom ist eine lebenslange renale Surveillance erforderlich. BHD-assoziierte Nierentumore werden – so denn notwendig – operativ behandelt, wobei dem Erhalt der Nierenfunktion angesichts des möglichen Auftretens multipler Tumore besondere Bedeutung zukommt.

Prognose

Die Prognose des BHD-Syndroms wird in erster Linie von der renalen Tumormanifestation bestimmt. In der Regel führt die zystische Lungenerkrankung nicht zu einer relevanten Einschränkung der respiratorischen Funktion.

Kontakt

Expert*innengruppe Interstitielle Lungenerkrankungen der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie
https://www.ogp.at/die-oegp/expertinnengruppen/interstitielle-lungenerkrankungen-und-orphan-diseases/