Wechsel an der Spitze der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie

Im Rahmen der Generalversammlung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) wurde die renommierte Lungenfachärztin und Intensivmedizinerin Prim.a Dr.in Eveline Kink, MBA, Leiterin der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie, LKH Graz II, Standort Enzenbach, zur neuen ÖGP-Präsidentin gewählt. Kink möchte ihre Präsidentschaft dazu nutzen, die im Rahmen der PneumoVision 2040 entwickelten Zukunftsperspektiven in konkrete Strategien zur Sicherung einer hohen Versorgungsqualität für Patient*innen mit Lungenerkrankungen umzusetzen. Dabei sollen digitale Technologien und KI verantwortungsvoll, qualitätsgesichert und praxisnah in die pneumologische Versorgung integriert werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt für Kink auf Prävention und Gesundheitskompetenz: So möchte sie auch – in Fortführung der Arbeit ihres Vorgängers – ein österreichweites Lungen-Gesundheits-Vorsorge-Programm etablieren. Weiters möchte sie den Fokus auf Real-World-Daten als wertvolle Ergänzung zu Studiendaten lenken: Diese sind mit relativ wenig Aufwand erhebbar und bieten wichtige Anhaltspunkte für personalisierte und differenzierte Medizin.

Die bisherige ÖGP-Generalsekretärin Prim.a ao. Univ.-Prof.in Dr.in Judith Löffler-Ragg, Leiterin der Abteilung für Pneumologie am LKH Hochzirl-Natters, assoziiert mit der Medizinischen Universität Innsbruck, wurde zur neuen Vizepräsidentin gewählt.

Neu im Präsidium: Der Pneumologe und Intensivmediziner Dr. Michael Meilinger, MBA, Oberarzt an der Klinik Floridsdorf, Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie, übernimmt die Agenden des Generalsekretärs der ÖGP von Löffler-Ragg.

Prim.a Kink, die das Amt der Präsidentin der wissenschaftlichen Fachgesellschaft der österreichischen Lungenfachärztinnen und -ärzte die nächsten zwei Jahre bekleiden wird, promovierte an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und machte zusätzlich zu ihrer Ausbildung zur Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie, Additivfach Intensivmedizin, einen MBA in Health Care & Hospital Management. Seit 2019 leitet Kink als Primarärztin die Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie LKH Graz II, am Standort Enzenbach. Zu ihren wissenschaftlichen Schwerpunkten zählt die Intensiv- und Beatmungsmedizin, und hier besonders die Versorgung von Patient*innen mit Langzeitbeatmung und ihre Entwöhnung von der künstlichen Beatmung im Weaning Center.

PneumoVision 2024: Wegweiser für die Zukunft der Lungenmedizin

Mit Blick auf die kommenden zwei Jahre sagt Kink: „Wir wollen die Zukunft der Lungenmedizin nicht abwarten, sondern aktiv gestalten. Die PneumoVision 2040 soll uns dabei Kompass für die nächsten 15 Jahre sein.“ Die PneumoVision 2040, erarbeitet von interprofessionellen Vertreter*innen der Expert*innengruppen der ÖGP, skizziert die zentralen Handlungsfelder für die kommenden 15 Jahre: von Ausbildung und Qualitätssicherung über Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Telemedizin bis hin zu Interprofessionalität, neuen Berufsrollen, Ambulantisierung und wissenschaftlicher Weiterentwicklung. Darauf basierend sollen künftig Strategien und Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung respiratorischer Erkrankungen in Österreich abgeleitet werden.

Herausforderung digitale Transformation

In den kommenden zwei Jahren möchte Kink die ÖGP daher auch als aktiven Gestalter der digitalen Transformation im Gesundheitswesen positionieren. „Telemedizin, E-Health und digitale Patienten-Tools gewinnen rasant an Bedeutung und werden unsere Arbeit in Klinik und Praxis grundlegend verändern“, betont sie. Als Fachgesellschaft sei es daher Aufgabe und Verantwortung der ÖGP, diese Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern aktiv wissenschaftlich zu begleiten und zu bewerten.

Die Zukunft ist digital – muss aber qualitätsgesichert sein

Geplant ist, digitale Anwendungen künftig systematisch auf ihre medizinische Qualität, Evidenz und Leitlinienkonformität zu prüfen und Standards für deren Einsatz mitzuentwickeln. „Patientinnen und Patienten wie auch Behandlerinnen und Behandler müssen sich darauf verlassen können, dass digitale Tools fundiert, geprüft und sicher sind“, so Kink. Die ÖGP wolle dazu beitragen, die neuen Technologien in die Praxis zu integrieren – mit Augenmaß und im Sinne einer verbesserten, evidenzbasierten Versorgung.

Real-World-Daten als wertvolle Ergänzung

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Präsidentschaft liegt auf der verstärkten Nutzung von Real-World-Daten (RWD) als Ergänzung zur klassischen evidenzbasierten Medizin. „Die Realität weicht oft von der kontrollierten Studienwelt ab – besonders in der Pneumologie, wo viele unserer Patientinnen und Patienten älter, multimorbid und polymediziert sind, erklärt Kink. Aus Versorgungsdaten ließen sich wertvolle Erkenntnisse gewinnen, wie Therapien tatsächlich wirken – sowohl positiv als auch mit Blick auf mögliche Nebenwirkungen.Real-World-Daten böten zudem neue Chancen für eine stärker personalisierte und differenzierte Medizin, etwa in der Gendermedizin oder bei Alters- und Diversitätsaspekten. „Wir müssen uns verstärkt fragen, ob Frauen gleich behandelt werden sollten wie Männer, ob ältere Patientinnen und Patienten anders reagieren als jüngere – und wie genetische oder kulturelle Unterschiede berücksichtigt werden können“, erläutert Kink. Hier wolle sie die ÖGP als Impulsgeberin für neue Studien und Kooperationen positionieren, die zu einer noch individuelleren und wirksameren Versorgung führen.

Prävention und Früherkennung – LungenGesundheitsFrüherkennungsProgramm

Darüber hinaus sieht Kink großen Handlungsbedarf in der Prävention und Früherkennung von Lungenerkrankungen. Besonders die Volkskrankheiten COPD und Lungenkrebs erforderten mehr Aufmerksamkeit und strukturierte Früherkennungsstrategien. Österreich liege beim Lungenkrebs-Screening im europäischen Vergleich weit zurück – ein Zustand, den Kink ändern möchte. Daher werde sie die Bestrebungen ihres Vorgängers, Past Präsident Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernd Lamprecht, zur Etablierung eines umfassenden LungenGesundheitsVorsorgeProgramms mit Nachdruck und Beharrlichkeit weiterverfolgen.

Erstmalig zwei Frauen an der Spitze des ÖGP-Präsidiums

Prim.a ao. Univ.-Prof.in Dr.in Judith Löffler-Ragg, Leiterin der Abteilung für Pneumologie am LKH Hochzirl-Natters, assoziiert mit der Medizinischen Universität Innsbruck, die schon vier Jahre als Generalsekretärin der ÖGP fungierte, wurde zur ÖGP-Vize-Präsidentin gewählt. Löffler-Ragg konnte in dieser Zeit die Task-Force Chancengleichheit@Pneumologie etablieren und die Entstehung der Austrian Respiratory Coalition, einer internationalen Vernetzung zur Besserung der Lungengesundheit, unterstützen: „Ich freue mich, meine Erfahrung im Präsidium weiterhin einbringen zu können, und auf die Zusammenarbeit mit Primaria Kink, die ich bei ihren Schwerpunktsetzungen unterstützen werde. Ich schätze das Engagement und die Dynamik in den verschiedensten Expert*innengruppen und möchte mich weiter um ein konstruktives Klima bemühen, das die schnelle Umsetzung neuer Erkenntnisse ermöglicht.“

Löffler-Ragg unterstützt die strategische Ausrichtung Kinks mit Fokus auf das geplante LungenGesundheitsVorsorgeProgramm. „Die datenbasierte Entwicklung eines nationalen respiratorischen Plans, der integrierte Patient*innenpfade, Früherkennung und Prävention zur Förderung von Lungengesundheit umfasst, ist eines unserer wichtigsten Anliegen“, so die neue ÖGP-Vizepräsidentin. Und Löffler-Ragg weiter: „Jeder 10. Österreicher hat eine akute oder chronische Lungenerkrankung. Ziel ist es, die Pneumologie für kommende Herausforderungen wie eine alternde Bevölkerung, weiterhin hoher Tabakkonsum, klimabedingte Belastungen sowie zunehmender Ressourcenmangel nachhaltig zu stärken.“

Neu im Präsidium ist OA Dr. Michael Meilinger, MBA. Der Pneumologe, Internist und Intensivmediziner ist als Oberarzt am Klinikum Floridsdorf an der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie tätig. Durch Mitarbeit in verschiedenen Expert*innengruppen und langjährige, engagierte Tätigkeit als Fortbildungsreferent kennt auch er die ÖGP bereits sehr gut. „Nach über 10 Jahren in verschiedenen Funktionen kenne ich die großen Stärken der Gesellschaft, sehe aber auch vor welchen Herausforderungen wir in den nächsten Jahren stehen. Ich freue mich sehr als Generalsekretär zukünftig die Präsidentin in geplanten Vorhaben zu unterstützen, die ÖGP nach innen und außen zu vertreten und die Weiterentwicklung der Pneumologie in Österreich mitzugestalten. Prävention und Früherkennung zu forcieren, mehr kollektives Bewusstsein für Lungengesundheit zu schaffen, aber auch Interprofessionalität und Nachwuchsentwicklung in der Pneumologie zu fördern, erachte ich als essenziell.“  ÖGP-Präsidentin Kink abschließend: „Großer Dank gilt meinem Vorgänger, Bernd Lamprecht und dem gesamten ÖGP-Team. Ich freue mich auf die kommenden zwei Jahre und die Zusammenarbeit mit Vizepräsidentin Judith Löffler-Ragg und Generalsekretär Michael Meilinger, um die Aktivitäten der Fachgesellschaft der Österreichischen Lungenfachärzte weiter gestalten zu dürfen und die Pneumologie verstärkt auf einen digitalen Kurs zu bringen!“

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text auf eine durchgehend gendergerechte Schreibweise verzichtet. Sofern nicht anders vermerkt, gelten alle Bezeichnungen für sämtliche Geschlechter.

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ÖGP-Generalsekretär Dr. Michael Meilinger, MBA; ÖGP-Präsidentin Prim.a Dr.in Eveline Kink, MBA; ÖGP-Vizepräsidentin Prim.a ao. Univ.-Prof.in Dr.in Judith Löffler-Ragg (v.l.n.r.)

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