Moderne Asthma-Therapien ermöglichen heute ein Leben ohne Einschränkungen

Welt-Asthma-Tag 5. Mai

Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot sind typische Warnzeichen von Asthma bronchiale. Gerade wenn diese Beschwerden wiederkehrend oder saisonal – etwa in der Pollensaison – auftreten, muss an Asthma gedacht und der Verdacht schnellstmöglich abgeklärt werden. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um schnell mit einer effizienten Therapie beginnen zu können, die die Beschwerden kontrolliert und die Lebensqualität nachhaltig sichert.

Denn die gute Nachricht zum Welt-Asthma-Tag lautet: Dank moderner, individuell abgestimmter Therapien ist heute in den meisten Fällen eine vollständige Asthmakontrolle und damit ein Alltag ohne Einschränkungen möglich.

„Das Ziel der modernen Asthmatherapie ist die vollständige Asthmakontrolle – also Beschwerdefreiheit, Anfallsfreiheit und uneingeschränkte Lebensqualität. Genau das ist heute für die meisten Patientinnen und Patienten erreichbar“, macht Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Leiter der Expert*innengruppe Allergie & Asthma der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) Betroffenen anlässlich des Welt-Asthma-Tages Mut.

Beschwerden ernst nehmen und keine Zeit verlieren

Asthma entsteht durch eine chronische Entzündungsreaktion der Bronchien, die durch Allergien, aber auch durch Rauchen oder Luftschadstoffe ausgelöst werden kann. Die Folge ist eine Verengung der Atemwege (Atemwegsobstruktion), die Husten, pfeifende Atmung und Atemnot verursacht.

„Sobald Patientinnen oder Patienten diese typischen Beschwerden schildern, muss an Asthma gedacht und rasch die Diagnosekette eingeleitet werden“, betont Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums in Wien.

In Österreich leiden knapp 5 Prozent der Erwachsenen und 10 Prozent der Kinder an Asthma bronchiale. Tendenz steigend!

… vor allem auch bei Kindern

„Besonders wichtig ist, bereits bei Kindern darauf zu achten: Denn Asthma bronchiale ist die häufigste Lungenerkrankung bei Kindern und kann bereits bei den Kleinsten auftreten“, warnt der Lungenspezialist. Frühzeitige Diagnose und rascher Therapiebeginn sind dabei nicht nur für den aktuellen Gesundheitszustand der Kleinen wichtig, sondern auch für die weitere Entwicklung der Lunge und damit für die Lungengesundheit im Erwachsenenalter von großer Bedeutung, erläutert der Lungenexperte.

Gezielte Diagnostik bringt rasch Klarheit

Die richtige Anlaufstelle sind Lungenfachärztin bzw. Lungenfacharzt oder ein Allergieambulatorium.

Grundlage ist die Lungenfunktionstestung, mit der überprüft wird, ob eine Verengung der Bronchien vorliegt.

Weiters sind eine Allergietestung, etwa auf Pollen, Hausstaubmilben oder Tiere, ein Blutbild zur Bestimmung eosinophiler Granulozyten[i] sowie die Messung von Stickstoffmonoxid in der Ausatemluft (FeNO) weitere wichtige diagnostische Schritte.

Wantke: „Diese genaue Abklärung ermöglicht es, den jeweiligen Asthmatyp präzise zu bestimmen. Denn Asthma ist keine einheitliche Erkrankung, sondern zeigt sich in verschiedenen Ausprägungen, Phänotypen, die sich hinsichtlich ihrer Auslöser, Entstehungsmechanismen und auch hinsichtlich ihrer Ausprägung unterscheiden. Heute kann die Therapie auf jeden Asthmatyp individuell zugeschnitten werden.“

Moderne Asthmatherapie: nicht belastend und maßgeschneidert für jede Asthmaform

Das Ziel der modernen Asthmatherapie ist die Asthmakontrolle, also die Beschwerdefreiheit, Anfallsfreiheit und die uneingeschränkte Lebensqualität. Seit einigen Jahren stehen für alle Asthmaformen personalisierte Therapien zur Verfügung.

Die Basis jeder Asthmabehandlung ist die Inhalationstherapie. Moderne Konzepte kombinieren ein entzündungshemmendes mit einem bronchienerweiternden Medikament – idealerweise in einem einzigen Inhalator, der regelmäßig und bei Bedarf verwendet wird.

Für viele Betroffene stellt die richtige Inhalationstechnik jedoch eine Herausforderung dar. Daher sollte das korrekte Inhalieren regelmäßig geübt und kontrolliert werden, betont Wantke. „Eine wertvolle Unterstützung sind Vorschaltkammern, die das Inhalieren deutlich erleichtern und somit die Wirksamkeit verbessern.“

Auf der Website der ÖGP finden sich Video-Anleitungen zur richtigen Inhalation für alle gebräuchlichen Asthma-Sprays[ii]

Von Desensibilisierung bis Biologika: moderne Medizin ermöglicht individuelle Kontrolle

Bei allergischem Asthma ist die spezifische Immuntherapie (Desensibilisierung) ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, da sie direkt an der allergischen Ursache ansetzt.

Für Patientinnen und Patienten mit schwerem Asthma stehen heute fünf hochwirksame Biologika zur Verfügung (anti-IgE, anti-IL5/IL5R, anti-IL4/13 und anti-TSLP), die, je nach jeweiligem Asthma-Typ, wirksam sind.

„Diese modernen Therapien zeichnen sich durch sehr gute Wirksamkeit und hohe Verträglichkeit aus. Damit gibt es heute für jeden der verschiedenen Asthmatypen eine maßgeschneiderte Therapie.“

Das Schlucken von Kortison-Tabletten sollte aufgrund möglicher Nebenwirkungen möglichst vermieden werden.

Impfen schützt – auch vor Asthma

Auch Impfungen tragen zur Asthmakontrolle bei, unterstreicht Wantke. „Ein wichtiger Bestandteil stabiler Asthmakontrolle ist der Schutz vor Infektionen. Impfungen gegen Influenza, Corona, RSV und Pneumokokken helfen wirksam dabei, plötzliche Asthmaverschlechterungen, sogenannte Exazerbationen, zu verhindern. Gerade Atemwegsinfekte zählen zu den häufigsten Auslösern akuter Asthma-Schübe und sollten daher möglichst vermieden werden.“

Leben ohne Einschränkungen ist heute realistisch

Asthma bronchiale ist eine häufige Erkrankung – sie muss jedoch bei entsprechender Behandlung weder die Lebensqualität noch den Alltag beeinträchtigen.

„Die entscheidenden Voraussetzungen sind eine frühe Diagnose, die individuell passende Therapie und die konsequente Anwendung der Medikamente. Die zentrale Botschaft des Welt-Asthma-Tages lautet daher: Asthmakontrolle ist Lebensqualität“, fasst ÖGP-Experte Wantke abschließend zusammen.

[i] Mittels sog. Differentialblutbild (= Aufschlüsselung der weißen Blutkörperchen, Leukozyten, in ihre Untergruppen) wird die Anzahl der sog. Eosinophilen ermittelt. Eosinophile Granulozyten sind spezialisierte weiße Blutkörperchen (Leukozyten) der angeborenen Immunabwehr, die u.a. eine Schlüsselrolle bei der Regulation allergischer Reaktionen (z.B. Asthma, Allergien) und Entzündungsprozessen sowie bei der Bekämpfung von Parasiten, spielen. Ist ihre Anzahl erhöht, deutet dies auf allergische Reaktionen hin.

[ii] https://www.ogp.at/publikationen/patientenschulung/#oegp-videos-zur-richtigen-inhalation

Kontakt

Univ-Doz. Dr. Felix Wantke
Leiter ÖGP-Expert*innengruppe „Allergie & Asthma“
Floridsdorfer Allergiezentrum
Pius Parsch Platz 1/3
A-1210 Wien
E-Mail: wantke@faz.at

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