Nicht-invasive Beatmung kann COPD-Patienten das Leben retten!

Schwere Formen der COPD führen zu einer schleichenden CO2-Vergiftung der Patienten*, die die Lebensqualität deutlich herabsetzt und an der die Betroffenen letztendlich sterben. Erhalten sie aber rechtzeitig mittels Maske eine künstliche Beatmung, so steigt nicht nur die Lebensqualität erheblich, auch die Sterberate sinkt drastisch. Dies konnte nun in einer bahnbrechenden Studie nachgewiesen werden. Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie, ÖGP, fordert daher umgehende Konsequenzen für das Behandlungs-Management von COPD-Patienten.


COPD führt zu CO2-Vergiftung

Atemversagen ist eine der häufigsten Todesursachen bei schwerer COPD. Für viele Patienten geht dem akuten Atemversagen eine schleichende chronische Verschlechterung der Atemleistung voran, die zu einer chronischen CO2-Vergiftung im Blut führt. Der Grund dafür: Die Patienten können durch die chronische Zerstörung des Lungengewebes das körpereigene CO2 nicht mehr abatmen und sterben dann an der daraus resultierenden CO2-Vergiftung, wenn sie nicht rechtzeitig auf eine Intensivstation gebracht und dort künstlich beatmet werden.

Studie zeigt enorme Bedeutung der nicht-invasiven, künstlichen Beatmung

Eine bahnbrechende Studie zeigt nun eine deutliche Reduktion der Sterberate durch den Einsatz von künstlicher Beatmung bereits bei geringer chronischer CO2-Erhöhung im Blut. Nicht-invasive Beatmung mittels Atemmaske während der Nacht kann die CO2-Werte normalisieren.

Im Zuge der Studie, die im renommierten Lancet Respiratory Medicine veröffentlicht wurde, wurden in 36 Beatmungszentren in Deutschland und Österreich stabile Patienten mit einer CO2-Erhöhung im Blut entweder einer nicht-invasiven Beatmung zugeführt oder regelmäßig beobachtet.

Die Patienten mit Beatmung hatten eine höhere Lebensqualität sowie eine bessere Leistungsfähigkeit und nur 12% verstarben innerhalb eines Jahres. Jene Patienten ohne Beatmung hatten unter denselben Umständen eine deutlich schlechtere Lebensqualität als die Vergleichsgruppe, die Sterblichkeit lag bei 33%“, erläutertDr.in Sylvia Hartl, Past-Präsidentin der ÖGP und Oberärztin an der 1. Internen Lungenabteilung am Otto Wagner Spital in Wien.

„Diese Ergebnisse sind bahnbrechend, weil es die erste Studie weltweit ist, die eine lebensverlängernde Therapie für diese schwerkranken Menschen nachweisen konnte“, so Hartl.

Nicht-invasive Beatmung wurde bereits in den letzten Jahrzehnten zur Linderung der Atemnot von chronisch kranken COPD-Patienten eingesetzt. Allerdings wurde sie nur in wenigen Einzelfällen und oft nach dem Aufenthalt auf einer Intensivstation angewendet, da der Nutzen für den Patienten auf Grund von fehlenden Studiendaten als wissenschaftlich nicht erwiesen angesehen wurde und daher im Einzelfall erprobt werden musste.

Management der COPD muss generell geändert werden

Hartl: „Dieser Nachweis einer deutlichen Verbesserung der Überlebenschancen für COPD-Patienten durch nicht-invasive Beatmung macht es erforderlich, dass die Beatmung für Patienten mit erhöhten CO2-Werten regelhaft eingeführt wird. Dies wird das Management der COPD generell verändern.“ Folgende Maßnahmen werden von der ÖGP gefordert:

  1. Regelmäßige Durchuntersuchung von Patienten mit schwerer COPD auf eingeschränkte CO2-Abatmung mittels Blutgasmessung ab dem Zeitpunkt von schwerer Atemnot und Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit
  2. Einleitung einer nächtlichen Maskenbeatmung bereits bei den ersten Anzeichen von chronischer CO2-Erhöhung in der Blutgasanalyse
  3. Weiterbeatmung von Patienten mit bleibender CO2-Erhöhung nach akutem Atemversagen auf der Intensivstation

Hartl: „In Österreich ist dieser Standard bei weitem nicht erreicht: Das in Österreich durchgeführte COPD-Audit, in dessen Rahmen die Praxis der Behandlung der akuten Verschlechterung von COPD im Krankenhaus untersucht wurde, zeigte, dass nicht einmal die Hälfte der Patienten mit akuter CO2-Erhöhung im Krankenhaus einer Maskenbeatmung zugeführt werden und bei durchschnittlich 17% der Patienten, die in der Notaufnahme aufgenommen werden, keine Messung der Blutgase durchgeführt wird.“

Durchgehende Behandlungsstrategie von größter Wichtigkeit

Um die Qualität der Behandlung zu erhöhen, müssen die Behandlungsstandards gemäß den wissenschaftlichen Ergebnissen angepasst und eine einheitliche Behandlungsstrategie für die chronische schwere COPD eingeführt werden. Ein Bündel an Maßnahmen muss gesetzt werden, um diese chronische Erkrankung stabil zu halten: Die Untersuchungskaskade vom Hausarzt zum Lungenfacharzt und von dort zur Spezialklinik muss klar regelt werden, genauso wie die zu setzenden Maßnahmen bei akuter Verschlechterung von der Spitalsaufnahme bis hin zur Entlassung aus dem Spital und dann weiter zum Lungenfacharzt und zum Hausarzt.

Hartl fordert in diesem Zusammenhang: „Die negative Haltung gegenüber den Behandlungschancen von chronisch kranken COPD-Patienten muss zu Gunsten eines verlängerten Lebens mit besserer Lebensqualität durch die Ausschöpfung aller Maßnahmen aufgegeben werden.“

Handhabung der nicht-invasiven Beatmung kann von den Patienten leicht erlernt werden

Die nicht-invasive Beatmung ist eine kosteneffiziente Maßnahme, die in wenigen Tagen vom Patienten erlernt und selbstständig angewendet werden kann. Hartl: „Die Patienten erlernen das selbständige Anlegen der Beatmungsmaske und das Aufdrehen der Beatmungsmaschine. Die Reinigung und Pflege der Maske und des Gerätes sind weitere Lerninhalte bis zur Entlassung nach Hause.“ In der Regel ist der COPD-Patient dann nicht mehr auf Fremdhilfe angewiesen und kann durch die Verbesserung der Krankheitsfolgen auch sein übriges Alltagsleben besser alleine bewältigen.

„Damit ist die nicht-invasive Beatmung eine wichtige Maßnahme, um COPD-Patienten, die von vorzeitiger Gebrechlichkeit und Pflegebedürftigkeit bedroht sind, selbstständig und weniger spitalspflichtig zu halten“, so Hartl.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text auf eine gendergerechte Schreibweise verzichtet. Sofern nicht anders vermerkt, gelten alle Bezeichnungen sowohl für Frauen als auch für Männer.

Kontakt

OÄ Dr.in Sylvia HARTL, Past-Präsidentin der ÖGP, Steering member of the European COPD Audit Group, E-Mail: sylvia.hartl@wienkav.at

Rückfragen Presse

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Mag. Harald Schenk: +43 664/160 75 99, harald.schenk@medical-media-consulting.at

Hinweis: Betroffene finden Unterstützung und Möglichkeiten zum Austausch bei der Selbsthilfegruppe COPD, Lungenfibrose und Langzeit-Sauerstoff-Therapie:www.selbsthilfe-lot.at