Weniger Tuberkulose-Erkrankungen in Österreich

Welttuberkulosetag 24. März

In Österreich konnte im Jahr 2017 ein Rückgang der Tuberkuloseerkrankungen um 10% verzeichnet werden. Diese Entwicklung spiegelt einen europaweiten Trend wider. International zählt Tuberkulose aber nach wie vor zu den häufigsten und auch gefährlichsten Infektionserkrankungen. Weltweit erkranken jährlich über 10 Mio. Menschen und mehr als 1,5 Mio. sterben daran. Experten der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie betonen, dass in Österreich die Versorgung der TBC-Patienten in hoch spezialisierten Zentren gewährleistet ist.

Vor über 130 Jahren, am 24. März 1882, präsentierte Robert Koch vor der Physiologischen Gesellschaft in Berlin seine Entdeckung des Tuberkuloseerregers, das Mycobacterium tuberculosis. Dieser Tag wird traditionell als Welttuberkulosetag begangen, um auf die Bedeutung dieser Entdeckung hinzuweisen und auch daran zu erinnern, dass die Erkrankung trotz großer medizinischer Fortschritte noch immer weltweit täglich mehr als 4.500 Menschenleben fordert.

Ein Drittel der Weltbevölkerung mit Tuberkulose infiziert

OA Dr. Rudolf Rumetshofer, Leiter der Tuberkulosestation Severin im Otto Wagner Spital der Stadt Wien: „Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung trägt das für die Erkrankung verantwortliche Bakterium in sich, weist aber keine Symptome auf und ist somit nicht ansteckend. Rund 10% der Infizierten entwickeln aber im Lauf ihres Lebens eine aktive Tuberkulose und stellen damit ein Ansteckungsrisiko für andere Menschen dar.“

Von jenem Drittel der Weltbevölkerung, das mit dem Tuberkuloseerreger infiziert ist, werden jährlich jedoch nur etwa 1,2 Millionen Menschen präventiv behandelt. 600.000 der an Tuberkulose Erkrankten haben eine multiresistente Tuberkulose, aber nur 160.000 von ihnen werden mit wirksamen Medikamenten behandelt. Nur jeder 8. Patient mit multiresistenter Tuberkulose wird tatsächlich geheilt. „Tuberkulose ist heute zwar eine prinzipiell heilbare Infektionskrankheit, die Gefahr besteht jedoch darin, dass eine unzureichende Therapie oder Therapiefehler zur Entwicklung resistenter Tuberkulosebakterien führen“, erläutert ÖGP-Generalsekretär und Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Linzer Universitätsklinikum Bernd Lamprecht.

 

Die Situation in Österreich[1]

Im Jahr 2017 wurden bisher 569 Tuberkulose-Fälle gemeldet. Das ist ein Rückgang um 65 Fälle zum Vergleichszeitraum 2016. Sowohl bei den Patienten mit österreichischer
(2016: 210; 2017: 194) als auch ohne österreichische Staatsbürgerschaft (2016: 424; 2017: 375) war ein Rückgang der absoluten Fallzahlen zu verzeichnen. Diese Zahlen spiegeln den Europatrend wieder. Die Anzahl an schwierig zu behandelnden multiresistenten Tuberkulose-Fällen ist im vergangenen Jahr mit 15 (2016: 15) multiresistenten und 3 XDR (Extensively drug-resistant tuberculosis) (2016: 2) Tuberkuloseisolaten annähernd gleich geblieben.

Rasche und exakte Diagnostik wichtig

Für die Diagnostik der Tuberkulose stehen in ganz Österreich qualifizierte Labors zur Verfügung. Mittels Schnelltest (Nukleinsäureamplifikationstechnik) kann Tuberkulose bereits innerhalb weniger Stunden mit hoher Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden. Ob bei der jeweiligen Tuberkulose-Erkrankung Resistenzen vorliegen, wird mit den zeitlich deutlich aufwändigeren Tuberkulosekulturen ausgetestet. In Österreich wird bei allen Tuberkuloseerregern eine Resistenztestung durchgeführt. Daher weiß man in Österreich sehr genau über die Resistenzsituation Bescheid.

Dr. Mag. Alexander Indra, Leiter des Instituts für medizinische Mikrobiologie und Hygiene der AGES: „Seit 2016 werden in Österreich alle Isolate von an Tuberkulose erkrankten Personen mittels Ganzgenom-Sequenzierung durch das österreichische Tuberkulosereferenzlabor in der AGES analysiert. Durch Vergleich der gewonnenen Daten konnte 2017 im Zusammenarbeit mit dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), der Universität Zürich und den Gesundheitsbehörden der betroffen Länder ein europaweiter Tuberkuloseausbruch unter Asylwerbern aus der östlichen Region Afrikas aufgeklärt werden. Im Gegensatz zu anderen Methoden der Ausbruchsabklärung ermöglicht die Ganzgenomsequenzierung einen detaillierten Einblick in den Übertragungsverlauf und die molekulare Resistenzentwicklung. Die erfolgreiche internationale Zusammenarbeit wurde durch die Publikation in der renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift The Lancet Infectious Diseases abgeschlossen.“

Standardmedikamente in Österreich zeitweise nicht verfügbar

Laut Tuberkulosespezialist Rumetshofer sind zur Behandlung der Erkrankung in Österreich theoretisch alle wirksamen Medikamente verfügbar. Faktum ist aber, dass in Österreich immer weniger Standard-Tuberkulosemedikamente zur Verfügung stehen und teilweise importiert werden müssen. Zeitweise waren in den letzten Jahren in Österreich Standardmedikamente vorübergehend nicht zur Verfügung gestanden, so Rumetshofer weiter. „So ist beispielsweise Isoniazid, ein Grundpfeiler der Tuberkulosetherapie und das Standardpräparat der präventiven Therapie, in Österreich derzeit nicht verfügbar“. Es muss ein alternatives Präparat verordnet, chefärztlich genehmigt und dann aus Deutschland importiert werden. Rumetshofer: „Diese Hürden provozieren Therapiefehler und können zur Entwicklung von Resistenzen beitragen!“ Ein großer Teil der Tuberkulosemedikamente zur Behandlung der multiresistenten Tuberkulose muss ebenfalls importiert werden, da sie in Österreich nicht verfügbar sind.

Neben einer konsequenten Tuberkulosetherapie, die überwiegend von den Lungenfachärzten durchgeführt wird, seien auch die öffentlichen Gesundheitsorgane gefordert, die mit Umgebungsuntersuchungen und Untersuchungen von Risikogruppen wesentlich zum Rückgang der Tuberkulosezahlen beitragen, so Rumetshofer abschließend.

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text auf eine gendergerechte Schreibweise verzichtet. Alle Bezeichnungen sowohl für Frauen als auch für Männer.

 

Kontakt

OA Dr. Rudolf Rumetshofer
Tuberkulosestation Severin
2. Interne Lungenabteilung
Otto Wagner Spital der Stadt Wien
Sanatoriumstraße 2
1145 Wien
Tel: 01/9106041462
E-Mail: rudolf.rumetshofer@wienkav.at

PD Dr. Mag. Alexander Indra
Leiter des
AGES – Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Währingerstraße 25a
1090 Wien
Tel.:        +43 50 555-37230
E-Mail: alexander.indra@ages.at

Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht
Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie
Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde
Kepler Universitätsklinikum
Med Campus III.
Krankenhausstraße 9
4021 Linz / Austria
Tel.: +43 (0)5 7680 83 – 0

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[1] Quelle: AGES